Gipfelbasilisk

Buchstabensuppe

Dieser Text ist wieder Teil der Postkartenübung.
Die Postkarte könnt ihr im Silvesterstream sehen. Anschließend lese ich den Text auch vor.
https://youtu.be/AqHbUC8hUzk?t=12051

Das Mädchen Agathe saß vor ihrem Teller Buchstabensuppe. Sie neigte ihren Kopf und schöpfte den ersten Löffel Suppe aus dem Teller und beäugte ihn kritisch. Sonst aß sie immer Horror Romane, aber ihre Mutter war der Meinung, es wäre an der Zeit, dass sie erwachsen werde, und gab ihr heute ein Sachbuch zu essen.
Agathe steckte sich den Löffel in den Mund, schloss die Augen und schmeckte den Worten nach. Mathematik, brr, schmeckte langweilig. Frustriert aß sie weiter. Die Beschreibungen von Statistik, Algebra und binomischen Formeln schwirrten ihr im Kopf umher und bereiteten ihr Kopfschmerzen.
Sie schaute in die Küche, ihre Mutter guckte gerade weg. Sie griff über den Tisch und nahm sich den Märchenstreuer. Wenn sie schon so ein dummes Mathebuch essen musste, was sicher wichtig war, dann wollte sie es wenigstens mit ein paar Märchen nachwürzen. So war ihr die Buchstabensuppe deutlich zu fade. Sie streute und streute. Plötzlich räusperte sich hinter ihr ihre Mutter. Agathe hatte gar nicht mitbekommen, wie sich ihre Mutter angeschlichen hatte. Agathe stellte frustriert den Märchenstreuer wieder auf den Tisch. Ob es reichen würde?

Agathe, nahm einen weiteren Löffel Buchstabensuppe.
Sie schloss die Augen und konzentrierte sich auf die Worte, die ihren Gaumen kitzelten. Rotkäppchen sprang gerade aus dem bösen Wolf während die Großmutter noch im Magen des Wolfes binomische Formeln löste. Anstatt mit Steinen, füllte das Rotkäppchen den Magen des Wolfes mit dem kleinen und dem großen Einmaleins.
Zufrieden lehnte sich Agathe in ihrem Stuhl zurück. So schmeckte ihr dieses fade Mathebuch deutlich besser.