Der kranke Kessel

Von mir, ein Kurztext aus Zyamel

Mitschnitt von der Lesung

Odem dem Medizinmann der Kinder Amanitas war kalt und die Suppe stand schon einige Zeit da und war abgekühlt. Sie schmeckte nur heiß, deshalb ging Odem zu seinem Kesselkäfer und ließ die Suppe noch einmal aufkochen. Es brodelte im Kessel und die Dämpfe der Linsensuppe stiegen hoch und verteilten einen betörenden Duft. Er rührte die cremige Suppe aus roten Linsen, Kokos und Gewürzen um. Es war sehr kalt für die Jahreszeit. Hier unten in den Höhlen unter Zyamel hatten die Zwerge erstaunliche Arbeit geleistet, und ihre künstliche Sonne simulierte auch Jahreszeiten, aber in diesem Jahr, kehrte der Winder auf der Oberwelt früher ein als sonst und so, wurde es auch hier unten früher kalt. Aber wann immer er die Zwerge frug, ob sie da nicht eine Ausnahme machen könnten, sagten sie, das würde ihre Berechnungen durcheinanderbringen und das Gleichgewicht hier unten in ein Ungleichgewicht unbekannten Ausmaßes kippen. Odem schöpfte sich eine Schale aus seinem kleinen Kesselkäfer und der Käfer selbst nahm sich wie immer auch seinen Teil. Er streichelte dem treuen Tier über den Kessel und setzte sich wieder an seinen kleinen Tisch. Er tauchte seinen Löffel in die Suppe, schlürfte und spuckte sie wieder aus. Sie schmeckte widerlich, als ob jemand Kuhmist unter die Suppe gemischt hätte. Der kleine Kesselkäfer stand von seinem Platz auf, kroch zu seinem Herrchen hin und viel auf die Seite. Die Suppe ergoss sich in dem ganzen Zimmer.
„Oh Gott, dass ich das nicht gesehen habe!“ Odem untersuchte den kleinen Käfer eingehender und fand an der Feuerdrüse des kleinen Kesselkäfers sehr bald den Übeltäter. Eine Sumpfzecke hatte sich an der Feuerdrüse des Kleinen verbissen. Sanft zog er die Zecke heraus, legte sie in eine schale und packte einen Deckel auf sie, damit das freche Tier nicht entwischen konnte. Die kleine schwarze Zecke war inzwischen ganz kugelrund gefressen, sie musste schon mehrere Tage an der Feuerdrüse des kleinen hängen und ihm wärme entziehen. Das war aber nicht das Einzige, was dem Kesselkäfer fehlte. Sein sonst grünlich schimmernder Glanz war ganz matt, sein Kessel war transparenter als sonst und seine Innenseite war ganz verklebt. Er war krank. Normalerweise verbrennen Kesselkäfer die Zecken, sobald sie versuchten, sich festzusaugen, aber die Kälte der letzten Tage und Wochen, mussten dem Kleinen ordentlich zugesetzt haben. Odem musste schleunigst etwas tun. Aber erst einmal half er dem kleinen Käfer wieder an seinen Platz und umwickelte ihn mit Decken, damit er es schön warm hatte. Er vermutete, dass er den Käferrotz hatte, eine milde Krankheit, die sich leicht behandeln lies, wenn man sie früh erkannte, aber erst einmal musste es der Kleine wieder ordentlich warm haben. Odem verließ seine Hütte. Die beiden Wachen, schauten ihn verwundert an.
„Wolltet ihr Euch nicht ausruhen? Die letzten Tage waren anstrengend, ihr dürft euch nicht überfordern.“
„Papperlapapp, ihr schafft mir jetzt Holz heran und macht in meiner Hütte schleunigst ein Feuer. Wenn ich nicht arbeite, gibt es zukünftig keine Medizin mehr, mein Kessel ist krank.“
Die beiden Wachen schauten sich dickemütig an und reagierten nicht.
„Ja los, ich weiß ich kann Euch eigentlich nichts befehlen, aber wenn ich den Kleinen nicht heile und ihr werdet krank, dann werdet ihr sterben.“
Die beiden jungen Pilze, die ihn neuerdings bewachten, waren noch schwerfälliger als die letzten. Nach diesen Worten setzten sie sich aber in Bewegung Richtung Lager. Hoffentlich beeilten sie sich. Odem ging wieder in seine Hütte und sofort zu seinem Kräuterregal und holte einige Schalen mit frischem Ingwer, Kamille, Lindenblüten und Mädesüß. Er schaute den kleinen Käfer an. Hob ihn leicht an und fühlte die Unterseite. Er holte mehrere Decken und legte sie noch unter den Kleinen. Dieser schien etwas in sich einzusacken und die Flügel, des kleinen Käferchen, die den Kessel bildeten, sackten etwas nach innen. Es ging ihm absolut nicht gut. Er begann die Kräuter in einem Mörser zu zermahlen und schnitt den Ingwer in kleinere Stücke. Danach ging er nach draußen und machte den beiden Sporlingen Beine.
Endlich brannte das Feuer und der Kesselkäfer entspannte erholte sich schlagartig ein wenig.
„So mein Kleiner, jetzt wird es unangenehm. Du musst deine Medizin leider selber kochen. Ansonsten wirkt sie nicht. Aber wir stehen ja nicht zum ersten Mal eine Krankheit gemeinsam durch.“
Er goss kaltes Wasser in den Kessel und der Käfer zuckte zusammen und gab eins seiner quietschenden Geräusche von sich.
„Ja ich weiß das ist gemein, aber es muss sein, gleich wird es dir besser gehen.“
Der Käfer begann sofort das Wasser zu erwärmen und Odem streute die Kamille hinein. Dann begann er mit einem weichen Schwamm die Seiten des Kessels abzureiben, um den Schleim zu entfernen. „So das Schlimmste wäre geschafft!“ Er holte die beiden Wachen rein und gemeinsam trugen sie den Käfer nach draußen, kippten den Inhalt aus und trugen ihn wieder in sein warmes Bettchen.
Odem füllte frisches Wasser in den Kessel und erneut zuckte und qietschte der Kleine. „Gleich geschafft!“ Odem warf den Ingwer und die restlichen Kräuter in den Kessel und der Kleine begann sofort zu kochen. Odem konnte beobachten, wie der grünliche Glanz wieder erschien und die Kesselflügel wieder ihre alte Farbe annahmen. „So jetzt trinken!“, befahl Odem mit einem strengen Ton und der Kesselkäfer folgte. „So ists gut.“ Die Tage vergingen. Odem hatte viele Patienten die von der Medizin der letzten Tage erneut in seiner Hütte, da sie alle von der im kranken Käfer gemischten Medizin selber krank wurden, auch Odem ging es nicht gut. Aber dem Käfer von Tag zu Tag besser und bald schon, war alles durchgestanden.