Gipfelbasilisk

Drachenhöhle

Anmerkung. Dieser Text ist innerhalb von zwei Live-Streams entstanden. Er ist noch nicht überarbeitet und komplett roh. Der erste Livestream ist online nicht mehr verfügbar. (Ich war so unzufrieden, dass ich ihn gelöscht habe.)
Den zweiten findet ihr hier: https://youtu.be/vCntcgWB1TE

Der Himmel war wolkenverhangen. Nur hier und da schaute ein wenig Blau und die Sonne zwischen den Wolken hervor. Der Tourbus bog grade auf einen Feldweg ein und seine Fahrgäste wurden ordentlich durchgeschüttelt. Sie waren auf dem Weg zu den Drachenhöhlen. Eine Legende besagte, dass einmal ein riesiger Drache in den irischen Highlands von einem Ritter erschlagen wurde. Als dieser verendete wurde er zu Stein. Weil aber sein Maul weit aufgerissen war, konnte man nun in das Untier hinein gehen. Boris, der Tourenguide erklärte grade zwei japanischen Reisegästen auf Englisch, dass sie bald ihr Ziel ereichen würden und, dass sie Pünktlich zum Sonnenuntergang da wären, sodass sie noch das Phänomen des brennenden Wassers sehen würden. Er wandte sich mit seinem Mikro wieder an die Reisegruppe.
„Der Wasserfall, der aus den Drachenhöhlen hinabfällt sieht gegen 18 Uhr unserer Zeit so aus als würde er brennen. Die Sonne Fällt dann in einem perfekten Winkel auf das Wasser, sodass es aussieht als würde aus dem Rachen des alten versteinerten Drachen, jeden Moment Feuer schießen. Das liegt an einer Öffnung am Ende des Drachenkopfes, durch den das Licht in die Höhle dringt“, sagte Boris. Jeden Moment sollte der Rücken des Drachen ins Sichtfeld der Reisegruppe kommen. Da hörte er schon die ersten aufgeregten Rufe der Gäste. Die Berge in denen die Drachenhöhlen waren, hatten immer diesen Effekt auf die Gäste, sie waren gigantisch und das größte Höhlensystem ganz Europas. Der Zerfurchte Stein, der so anders war als alles andere in den grünen Hügeln Irlands, hebte sich sehr deutlich von der Umgebung ab, und man könnte wirklich glauben, hier wäre vor Jahrhunderten ein Drache verendet und versteinert. Der Kopf des Drachen selbst, war nur der Eingang. Wenn man sich in dem System nicht auskannte konnte man sich sehrwohl in den Höhlen verirren. Aber die Gruppe heute wollte zum Glück nicht hinein. Der Höhlenführer war krank, er kannte sich zwar im System ganz gut aus, aber alleine ging er ungern in die Höhlen.
Der Bus hielt mit einem Ruck und Boris konnte sich grade so an seiner Haltestange festhalten, sonst wäre er vermutlich die Treppe hinunter zum Ausgang gepurzelt. Er fluchte. Der Fahrer den sie ihm heute zugeteilt hatten, war leider alles andere als fähig. Boris kannte ihn nicht und einige Fahrgäste hatten sich auch schon über ihn beschwert. Aber das sollte ihn nun nicht weiter stören, sie waren da und nun würde er die Gäste zum Wasserfall führen und ihnen auf den Weg dahin einen kurzen Abriss über die Geschichte dieses Ortes geben. Die meisten von ihnen würden ihm sowieso nicht zuhören. Sie waren mit ihren Mobilen Endgeräten beschäftigt und waren nur auf der Jagt nach dem perfekten Selfie vor dem brennenden Wasser. Früher, bevor es Handys gab hatte man ihm noch zugehört, ab und an hatte er sogar Trinkgeld bekommen. Das war heutzutage eher die Ausnahme.
Boris schaute beim Aussteigen auf den alten Drachen, wie er das System flapsig nannte. Seine besten Jahre hatte er als Touristenführer gearbeitet. Aber er war froh so schnell nach der Schließung der Dosenfabrik damals, einen Job gefunden zu haben. Aber die Jahre haben ihre Spuren an seinem Körper hinterlassen und der Weg zum Wasserfall war beschwärlich geworden.
Der alte Drachen lag ruhig wie immer da, sie mussten jetzt nur noch über die nächste Anhöhe gehen, dann würde man einen perfekten Blick auf den Drachen haben und nach einer weiteren Stunde Wanderung würden sie direkt am Wasserfall stehen.
Boris spulte wie immer sein übliches Wander geplauder mit den Inhalten zu dem Ort ab, aber er merkte, dass ihm niemand wirklich zuhörte.
Boris fluchte in sich hinein, ließ sich aber nichts anmerken, schlechte Rückmeldungen bei seinem Chef, konnte er sich nicht leisten. Er machte gute Miene zum bösen Spiel und führte die Gruppe lächelnd weiter. Dann kam der Kopf des alten Drachen endlich in sicht. Die Reisegruppe atmete bewundernd durch, aber Boris erschrak. Der Kopf sah heute doch anders aus als sonst, irgendwie schuppiger, lebendiger. Was war nur los mit ihm, er war bestimmt überarbeitet. Bei dem Gedanken musste er selber lachen, er hatte fünf Touristengruppen in der Woche, war aber jeden Tag von 5 Uhr morgends bis 20 Uhr Abends, faktisch auf Arbeit. Ja er hatte Ruhephasen im Bus, aber war ständig im Kontakt mit seinen Kunden. Wirklich arbeiten musste er nur an den Haltepunkten. Der Rest war fahrtzeit im Bus. Er schaute sich den alten Schädel des Drachen noch einmal genau an. Aber nein, er bildete es sich nicht ein. In diesem Moment hebte der alte Drache seinen Kopf. Eine Touristin die neben ihm herging, schaute ihn besorgt an. „Ist ihnen nicht gut?“, fragte sie in gebrochenem Englisch. Er blieb kurz stehen. „Nein es ist alles gut“, sagte Boris, er konnte ja schlecht sagen, dass der Stein sich bewegt, oder? „Ich musste nur kurz durchatmen in meinem Alter ist dieser Weg nicht mehr ganz so einfach zu bewältigen.“
„Sie sehen aber aus, als ob sie etwas erschreckt hat. Sie sind ja ganz bleich.“
„Was soll mich denn erschreckt haben, es ist ja nicht so als ob der alte Drache davorne seinen Schädel gehoben hätte und mir grade zunickt“, antwortete Boris und lachte künstlich, denn genau das hatte der Drache grade getan. Er hatte Boris, freundlich zugenickt. Die Touristin lachte freundlich. Dann gingen sie weiter.
Boris musste wirklich endgültig, den Verstand verloren haben. Auf den gesamten Weg zum Drachenfelsen, lächelte ihn der Drache finster an. Irgendwann wurde ihm langweilig und er fing an, kleine Rauchwolken durch seine Nasenlöcher auszustoßen. Dann stand die Reisegruppe endlich unter ihm. Bald würde die Sonne richtig stehen und das Wasser würde wie Feuer leuchten. Boris konnte schon ein kleines rotes Glimmern sehen. Boris drehte sich zur brabbelnden Gruppe um und räusperte sich.
„Meine Damen und Herren, in ca. 10 Minuten wird wie angekündigt der Wasserfall wie Feuer erstrahlen, das liegt wie vorhin im Bus schon angekündigt an einem Loch in der Decke der Höhle durch die, das Sonnenlicht in einem perfekten Winkel auf das Wasser trifft.“, die Gruppe hörte ihm nicht zu, vermutlich hatten sie das alles eh schon in ihren Smartphones gelesen. Die ersten drehten sich um um mit ihren Handys Slelfies von sich und den alten Drachenkopf zu machen. Boris, der während der ganzen Erklärung mit dem Rücken zum Kopf stand, fühlte sich beobachtet. Endlich drehte er sich um und schaute direkt in die Augen des Drachen, der ihn amüsiert anschaute.
„Schön, erklärst du immer wie das mit dem Feuer in meinem Schlund funktioniert. Heute mein lieber, wird es aber anders laufen“, sagte der Drache.
„Du sprichst?“, fragte Boris wie aus der Pistole geschossen. Er merkte wie ihn einige Touristen die nahe bei ihm standen, irritiert anschauten.
„Warum sollte ich nicht sprechen? So und jetzt höre zu mein Lieber, das läuft hier nun folgendermaßen ab. Du bringst deine Gruppe auf diesen Vorsprung daoben. Du kannst die ja eh nicht leiden. Ich werde sie mir hübsch nett grillen, essen und dann von hier verschwinden. Du bekommst dann den Schatz, den ich für dich zurücklasse und alle sind glücklich!“
„Und wie soll ich die da hoch bringen?“, fragte Boris irritiert, ihm stand die Gier in den Augen. Und wenn das ganze ein Streich seiner Fantasie war?
„Ich seh schon du stellst die richtigen Fragen“, sagte der Drache belustigt und fügte hinzu: „Ganz einfach, erzähl ihnen dort oben wäre der bessere Selfie Spot, ich hab genug Gruppen täglich hier herumstolzieren sehen um das zu wissen. Sie werden dort hoch gehen, keine Angst.“
„Meinst du wirklich?“, fragte Boris. Der Drache nickte.
„Haben sie etwas gesagt?“, sagte in diesem Moment eine Touristin, die nahe bei ihm stand.
„Ach ich meinte nur, dass dort oben vermutlich der bessere Spot ist für Selfies. Ich schaff es aber mit meinen alten Knochen nicht mehr da hoch. Falls sie aber da hoch gehen wollen, tuen sie sich keinen Zwang an.“
Es dauerte keine zwei Minuten da war die Gruppe schon auf dem Weg. Boris setzte sich. Der Drache, blies etwas warme Luft in seine Richtung. Boris rollte in der wohligen Wärme seine Schulterblätter.
„Danke“, sagte er.
„Gern geschehen“, sagte der Drache. „Übrigens gleich ist es soweit. Ich danke dir für deine Kooperation.“
„Vergiss ja nicht den Schatz“, antwortete Boris.
Der Drache lachte, atmete tief ein und grillte mit einem einzigen Feuerstoß die Touristen die auf dem Vorsprung standen. Dann bebte die Erde der Drache griff mit seiner riesigen Pranke, die sich aus dem Erdreich schälte, nach den gegrillten Touristen. Dann warf er sich das Grillgut in sein riesiges Maul und kaute genüsslich. Boris sah dem ganzen schockiert zu. Der Drache rülpste und riss sich einen Baum aus um ihn als Zahnstocher zu nutzen. Anschließend erhob er sich und flog davon.
Boris schrie hinterher: „ Und was ist mit meinem Schatz?“
„Du lebst noch, ist das nicht Lohn genug?“, antwortete der Drache und flog lachend davon. Boris schaute sich verdattert um. Der Boden war völlig aufgerissen, wie sollte er nun zurück zum Bus kommen? Egal, irgendwie musste er hier weg. Dann sackte der Boden unter seinen Füßen weg und er fiel.

„Boris??? Boooris???“
Was war das für eine Stimme.
„Boris, kommen sie die Gruppe ist schon ausgestiegen und wartet auf sie.“, sagte die Stimme des Busfahrers.
Boris öffnete seine Augen und sah in das Gesicht seines Kollegen. „Sie sollten jetzt schnell die Gruppe zu den Drachenhöhlen bringen. Er wird gleich Feuer speien.“
Boris schaute sich um. Er war wohl im Bus eingeschlafen. Er raffte seine sieben Sachen und machte sich los die Gruppe zu den Höhlen zu führen. Ihn beschlich die ganze zeit ein seltsames Gefühl. Alles war wie in seinem Traum. Was würde er gleich sehen, wenn er über die Kuppel kommt?