Gipfelbasilisk

Margaret

Die Kugel zeigte ein Schloss. Es war Tag und die Sonne strahlte vom blauen Himmel herab. Nur ein paar Schäfchenwölkchen, waren zu sehen. Der Rasen war grün und erste Löwenzahnköpfchen reckten sich aus dem saftigen Grün. Der Baum vor dem Schloss war noch nicht wieder ergrünt, aber erste Knospen streckten ihre Köpfe hervor. Dann verschwamm das Bild.
Die Wahrsagerin lehnte sich in ihrem Stuhl zurück. „Mehr kann ich nicht sehen Madame“, sagte sie. Ihre Kundin war um die Achtzig, sie suchte nach dem Schlüssel zum Keller ihres Schlosses.
„Und dafür bezahl ich fünfzig Euro? Was soll ich mit der Information machen? Soll ich den ganzen Schlosspark durchsuchen? Es liegt Schnee, da hole ich mir den Tod“, wetterte die Kundin los.
„Nein sie sollen nicht den ganzen Schlosspark durchsuchen. Das kann unter anderem bedeuten, dass sie den Schlüssel erst im Frühling finden werden, egal wo sie suchen. Es kann auch bedeuten, dass Sie den Schlüssel möglicherweise an oder unter diesem Baum finden. Es gibt vielerlei Deutungen für das Bild, was mir die Kugel gab. Der Baum verdeckt auch die klare Sicht auf das Schloss, was bedeuten kann, dass ihr Blick auf das eigentliche Problem oder den Ort, wo der Schlüssel liegt verdeckt ist. Ich sagte ihnen vorher, dass die Wahrsagerei keine genaue Kunst ist.“
Die Frau stand auf, schnaufte verächtlich und rannte hinaus.
Margaret lachte bitter, das hatte sie kommen sehen. Wenigstens hatte die Frau den Anstand ihr das Geld hinzuwerfen, bevor sie davon stürmte. Um so ein Verhalten vorher zu sagen, brauchte Margaret aber keine Kristallkugel.
Sie verzog sich nach hinten in ihre Küche und kochte sich einen Kaffee. Den nächsten Termin hatte sie erst um drei, in vier Stunden.
Sie hatte gestern schon mit dem Herren telefoniert, er wünschte sich von ihr, dass sie für ihn einen Fluch löste, der angeblich auf seiner Familie läge.
Sie sagte ihm, dass sie so etwas nicht macht. Sie glaubte nicht an Flüche. Gut so stimmte das nicht, sie glaubte schon an Flüche aber nicht daran, dass irgendetwas Übernatürliches einen Fluch auf etwas oder jemanden legen könne. Sie glaubte aber daran, dass Menschen glauben können, dass sie verflucht sind und das daraus böse Dinge entstehen können. Sie hasste, es negative Dinge mit Menschen zu besprechen. Sie konzentrierte sich lieber auf positive Bilder, Gefühle und Taten. Du glaubst, dass du verflucht bist und deshalb deine Beziehung den Bach runter geht? Nein, an sowas glaubte Margarete nicht. Tu etwas für deine Beziehung, damit sie wieder besser wird. Sie besprach mit Menschen, welche mit einem solchen Thema zu ihr kamen immer, was sie sich wünschten, was ihr eigentliches Problem war und sorgte, dafür, dass ihr Fokus wieder mehr darauf liegt, als auf einem fiktiven Fluch. Bisher hatte sich, wenn sie es geschafft hatte, den Fokus des Menschen auf die Wünsche und Probleme zu lenken, der sogenannte Fluch von alleine gelöst.
Margaret lächelte, wenn jemand ihre Gedanken hören würde, würde er sich doch wundern. Wie unmagiscah, ja fast pragmatisch ihre Gedanken waren. Glaubte Margarete an Magie und das, was sie tat? Ja, sie glaubte daran, aber in erster Linie glaubte sie daran, dass es Menschen half, wenn jemand ihnen zuhörte. Egal was für Probleme es waren und dass, wenn Menschen einander zuhören, so manches Problem gelöst werden konnte, ohne Magie.
Aber der Mann, der sich heute ankündigte, würde ein anderes Kaliber werden, das hatte sie im Gefühl und auch für diese Erkenntnis brauchte sie keine Kristallkugel.

Die Postkarte zu dieser Übung, könmt ihr sehen, wenn ihr folgendem Link folgt: https://youtu.be/m_j7x8W8DCQ