Recap: Gipfelbasilisk trifft … Andreas Hagemann
Was passiert, wenn ein Vampir und ein Drache gemeinsam auf die Suche nach ihrem Gedächtnis gehen? Das hat sich auch Andreas Hagemann in seinem neuen Roman »Stan und Mortimer« gefragt. Ich durfte ihm etwas auf den Zahn fühlen und spannende Hintergründe zur Entstehung seiner Bücher sowie seines Schreibprozesses erfahren.
Wie Stan Mortimer traf: Andreas Hagemanns neuer Roman
Am 9. Februar durfte ich den Autor Andreas Hagemann zu einem Interview in meinem Stream begrüßen und mit Fragen rund um sein neues Buch löchern. Und auch sein inzwischen 11. Roman hat wieder eine ganz außergewöhnlichen Twist.
Mich hat die Verbindung von einem Drachen und einem Vampir als Reisegefährten sofort fasziniert und die beiden Lesestellen, die uns Andreas mitgebracht hat, haben diesen Eindruck nur bestätigt. Aber eins nach dem anderen.
Hard Facts zum Autor:
- Inhaber von SCHIETKRAM, Mode für Bookies
- betreibt eigenen Online-Shop für seine Bücher: https://www.andreashagemann.com/
- Genre: humorvolle Fantasy mit skurrilen Charakteren, aber auch Ausflüge in dunklere Genre
- Markenzeichen: Situationskomik, Mehrdeutigkeit der deutschen Sprache, schräge Charaktere
- Hybridautor – seine Bücher erscheinen im Drachenmond Verlag und im Selfpublishing
- viele Titel gibt es auch als Hörbuch
»Stan und Mortimer« – das neue Buch
– erscheint voraussichtlich März 2026 beim Drachenmond Verlag
– 336 Seiten, Softcover mit Farbschnitt
– Einzelband
– ISBN: 978-3-69130-107-6
– Vorbestellungen mit Signierung möglich:
– “Zwei Wesen. Eine Mission. Kein Plan.”
– Protagonisten:
-> Mortimer – scharfsinniger Vampir
-> Stan – gutmütiger Drache
– Setup: Beide erwachen ohne Erinnerung auf einer Lichtung, nur ihre Namen und das Bild eines mysteriösen blauen Lichts sind geblieben.
– Grundkonflikt: Sie müssen sich notgedrungen zusammentun, um Antworten zu finden.
– Twist: Mit jeder Erkenntnis offenbart sich ein Stück weit mehr die Verbindung zwischen ihnen.
– Tonalität: Spannende Abenteuerreise mit viel Humor.
– Besonderheiten:
-> Kombination aus zwei klassischen Fantasy-Kreaturen (Vampir & Drache)
-> Amnesie-Plot
-> Mix aus Eloquenz (Mortimer) und sympathischer Tollpatschigkeit (Stan)

Die Inspiration für diesen Roman stammte von einem Textschnipsel, in dem sich Andreas Gedanken über einen untoten Drachen gemacht hat. Eine Idee, die ich recht spannend finde und die mal wieder zeigt, welche Wege die Kreativität so geht. Ebenfalls begeistert hat mich, wie aus diesem auch laut Klappentext eigentlich eher düsteren Setting ein so fröhlicher und skurriler Roman entstanden ist. Zumindest waren die im Stream vorgetragenen Lesestellen alles andere als bedrückend.
Was besonders heraussticht, ist wohl der Amnesie-Plot. Der Roman bekommt dadurch eine ganz eigene Dynamik. Dieses Trope empfand Andreas als einen spannenden Kniff, weil dadurch Stan und Mortimer gemeinsam mit den Lesenden die Welt, aber auch sich selbst entdecken können. Eine Geschichte auf diese Art zu schreiben, ist aber auch enorm komplex. Damit die Charakterentwicklungen stimmig und dennoch lebendig sind, musst du so viele Fäden in der Hand halten – eine Leistung, die ich wirklich bewundere, mir selbst aber Stand heute kaum vorstellen kann, selbst zu Papier zu bringen.
Aber auch die eher ungleichen Charaktere machen die Geschichte sehr lebendig und abwechslungsreich. Auf mich wirkt der Drache Stan ein wenig wie eine Katze ohne Konzentrationsvermögen. Ich musste hier und da sehr lachen, weil ich mich in ihm wiedererkannt habe.
Die beiden Hauptfiguren unterscheiden sich im Übrigen etwas von den klassischen Bildern, die wir von Drachen und Vampiren kennen. So reist Mortimer zum Beispiel ganz selbstverständlich am Tag und Stan hat ein sehr Drachen-untypisches Problem. Diese super witzige Idee will ich aber nicht spoilern. Wenn ihr mehr wissen wollt, hört euch gerne im VOD die zweite Lesestelle an, dort werden Stans Schwierigkeiten schon angedeutet.
Andreas hat diesen Roman bewusst als Einzelband konzipiert. Nachdem er bereits eine Trilogie und Tetralogie geschrieben hat, wollte er jetzt erstmal keine weitere Reihe beginnen. Denn da sind einfach noch so viele andere Ideen, die er alle noch erkunden möchte.
Einblicke ins Leben eines Vollzeitautoren
Veröffentlichungen:
- Mehrteiler:
- Einzelbände:
Andreas ist inzwischen hybrider Vollzeitautor. Seine Trilogie »Xerubian« wurde ja zusätzlich zu den Einzelbänden im Selfpublishing als Schmuckausgabe-Sammelband im Drachenmond Verlag veröffentlicht. »Stan und Mortimer« ist nun sein erstes Buch, dass ausschließlich im Verlag erscheint.
Er berichtet im Gespräch aber, dass er auch zukünftig im Selfpublishing Bücher veröffentlichen will. Den hybriden Weg hat er vor allem gewählt, da er gerne jährlich drei Bücher herausbringen möchte und das eher gelingt, wenn er auch mit einem Verlag zusammenarbeitet.
Anders als in meiner Recherche erfahre ich, dass er inzwischen nicht mehr Discovery Writer ist, sondern plottet. Doch er hat seine Wurzeln nicht ganz aus den Augen verloren, denn er konzipiert vor allem die groben Outlines. Die eigentlichen Abschnitte schreibt er dann dennoch entdeckend und gibt der Geschichte so Raum, sich auch anders als geplant zu entwickeln.
Gerade für seinen aktuellen Roman, war dies notwendig, weil der Amnesieplot davon lebt, dass Informationen nach und nach gesammelt werden. Diese müssen ordentlich orchestriert werden. Er liebt es aber, wenn Dinge, die erst im Schreiben entstanden sind, dann später im Gesamtplot Sinn ergeben. Dabei spricht er auch seinen Roman »Painmaker« an, bei dem er im Schreiben ein völlig anderes Ende gefunden hat, als er geplant hatte. Da dieses so viel schlüssiger war, wurde der ursprünglich angedachte zweite Band obsolet. Allein schon wegen dieser Info lohnt es sich bestimmt, den Roman zu lesen!

Seit Andreas Vollzeitautor geworden ist, hat er einen recht strengen Tagesablauf, der mich sehr beeindrukt.
- Aufstehen ohne Wecker, fertig machen für den Tag
- Schreibsession 1
- Sport
- Schreibsession 2
- weitere tägliche Aufgaben
- Feierabend
Ist noch Inspiration und Muße übrig, folgt am Abend sogar noch eine dritte Schreibsession. Er berichtet aber, dass er sich auch nicht zwingt, wenn das Schreiben gerade nicht funktioniert. Da ich eher der Projektarbeitsmensch bin, beeindruckt mich diese Regelmäßigkeit dennoch. Das tägliche Schreiben ist etwas, dass ich für mich immer wieder probiert habe und bisher daran gescheitert bin.
Zur Veröffentlichung eines Buches gehört auch das Lektorat, über welches wir ebenfalls gesprochen haben. Andreas ist mir ja einige Lektorate voraus und sieht diesen Arbeitsschritt sehr positiv. Es ist das Schleifen des Textes, das absolut notwendig ist, um einen anderen sachlichen Blick auf das Geschrieben zu bekommen.
Hierbei hebt er hervor, wie unterschiedlich die Zusammenarbeit mit seinen Lektor*innen bisher war. Wo früher noch sehr viel auf Stil und Sprache geschaut wurde, steht jetzt die Geschichte selbst im Fokus. Er sieht rückblickend da auch seine eigene Entwicklung. So achtet er heute viel mehr auf die Sprache der Charaktere als auf die anderen Faktoren, da ihm diese schon so ins Blut übergegangen sind. Um ein Beispiel zu nennen: Der Weltenbau etwa ist inzwischen so bei ihm drin, dass hier nur wenig Nacharbeit nötig ist und er sich mehr auf individuelle Sprache und Charakterzeichnung konzentrieren kann.
Speeddating mit Andreas Hagemann
Drachen oder Vampire – wen würdest du im echten Leben als Haustier wählen?
Drachen.
Vervollständige den Satz: “Wenn ich nicht schreiben würde, würde ich…”
T-Shirts und 3D-Objekte designen.
Lieblings-Fantasy-Kreatur, die noch in keinem deiner Bücher vorkam?
Auch wenn ich die schon hatte, Drachen.
Was war der skurrilste Charaktername, den du je erfunden hast?
Gehört in die Outtakes von »Stan und Mortimer«, das wurde aber im Lektorat gestrichen, weil es zu Slapstick war: Die Stadt im Schoß der Welt namens Vagina.
Kaffee, Tee, Kaltgetränk beim Schreiben?
Kaltgetränk: Orangenlimo.
Wenn »Stan und Mortimer« ein Hörbuch werden würde, wer würde wen sprechen?
Steffen Rössler – Stan und Alexander Küsters – Mortimer.
Das eine Buch, das jeder Fantasy-Fan gelesen haben sollte?
Nennt erst »Der Herr der Ringe«, meint dann aber, nein eigentlich »Die Unendliche Geschichte«.
Düsseldorf oder Berlin – wo schreibt es sich besser?
Düsseldorf.
Dein Rat an schreibende Personen?
Glaubt an euch, seid mutig.
Fazit
Das Gespräch mit Andreas hat mir sehr viel Freude bereitet, insbesondere weil ich noch einmal ganz andere Ansätze kennen gelernt und neue Blickwinkel aufgeführt bekommen habe. Mir hat der Abend dementsprechend viel neue Inspiration geschenkt und vor allem den Mut, weiter zu machen. Danke für dieses tolle Interview!
Das gesamte Interview findet ihr zum Nachschauen auf meinem YouTube-Kanal.


