Gipfelbasilisk

Die Prinzessinnentorte

Das Rezept zu der Torte findet ihr hier

– eine Kürzestgeschichte aus 300 Worten –

von _linda_bier_

„Bitte, bitte darf ich?“, fragte Marie und sah sie mit ihrem kindlichen Hundeblick an.

 „Wer feiert denn Geburtstag?“ Ihr Unterbewusstsein warnte sie davor, Nein zu sagen. Das Letzte brachte ihr tagelanges Schmollen und dicke Tränen. „Jaqueline und wir sollen alle was mitbringen!“

„Aha“, stöhnte sie, „vermutlich etwas zum Essen?“ Marie nickte und klatschte in die Hände. Sie strahlte über beide Ohren, sie wusste, sie hatte gewonnen. „Und was möchtest du mitbringen?“

„PRINZESSINNENTORTE“. Wie immer. Sie sah auf die Uhr und stürmte zur Tür. In 20 Minuten schloss der Supermarkt.

Ein Traum aus feiner Himbeercreme und acht Tortenböden, ein Albtraum für ihre Handgelenke. Denn den perfekten Farbton bekam man, indem man rührte. Stundenlang. Danach backte sie die hauchzarten Böden, die gleichmäßig dick, rund und goldbraun sein mussten. 1,5 Stunden später folgte das Auftürmen. Creme und Böden verschmolzen unter zartem Rosa. Sie gähnte und warf einen müden Blick zur Uhr. Ihre Tochter träumte längst den Prinzessinnentraum und die Torte wanderte für den Rest der Nacht in den Kühlschrank.

Am nächsten Morgen sang Marie lautstark mit der Eiskönigin und sie selbst schreckte aus dem Schlaf. Höchste Zeit für die Glasur, es gab nur einen Versuch. Die Hände zitterten, schwer wogen die Böden, fett glänzte die Creme. Perfekt. So folgte das Frühstücken mit Olaf und Elsa. Später verwandelte sich Marie in den lebenden Traum aus Tüll und Glitzer. Sie dagegen sah aus wie das Schlossgespenst. Die „Mit-bring-Party“ war in vollem Gange und Kinderlachen lag in der Luft. Die Prinzessin verbeugte sich vor dem Geburtstagskind, das schielte an ihr vorbei und schnitt eine Grimasse: „Schon wieder Kuchen!“ Die Torte verschwand auf dem Buffet, Marie in einem Haufen quietschender Mädchen. Doch sie seufzte zufrieden und warf einen letzten Blick zurück. Ihre Prinzessinnentorte übertraf alles und kein Gebäck würde heute mithalten können – da rief eine Stimme:

„Tortenschlaaaaaaacht!“