Gipfelbasilisk

Frühjahrsputz

voVon chaotisch_aber_liebenswert

Frühjahrsputz 2.0

Nach der Melodie im Frühtau zu Berge

Im Frühjahr da Putz man gescheit, fallera
Egal ob es stürmt oder schneit trallerla

Mit Besen oder Lappen, nur ran dann wird es klappen
Auf das alles blitzt das ganze Jahr.
Drum wollen wir es packen, und nicht im Stream versacken.
Nun ran es wird, putzt bis es blitzt trallerla

Der Frühjahrsputz

Die Sonne kroch langsam zwischen den Wolken hervor an einem ganz normalen Sonntag. Es ist 6 Uhr in der Früh und ich starte den Tag mit einem Kaffee und der Zigarette auf der Terrasse. Der Schnee, der sich über die Nacht hinweg angesammelt hatte, glitzert und taucht den Garten in eine Perlmutt schimmernde Winterlandschaft. Schnell ist im Kopf das Mittagessen geplant und ich überlege, was denn noch so zutun ist. Wäsche …. Küche putzen …. saugen …. das Bad …. innerlich stöhnend lehne ich mich auf meinem Stuhl zurück …. keine Lust ….

Auf einmal höre ich stimmen von meinen Schultern. Da sind sie wieder, das Engelchen und das Teufelchen.

Sie sind sich typischerweise uneinig, was den Tag und meine to do Liste angeht. Ich ignoriere sie, Schlappe in die Küche, hole mir den zweiten Kaffee und kuschele mich wieder in mein warmes weiches Bett.

Schon meldet sich das Engelchen mit seinem zarten Stimmchen in meinem Kopf: „Marietta liebes, schnapp dir die Mülltüte, räum die Küche auf und belohne dich dann mit dem nächsten Kaffee.“
„Was ein Quatsch, so Schätzelein, Schluck Amaretto in die Tasse und Zack ne runde Netflix and chill!“ Kam der Befehlston vom „Teufelchen“ gleich hinterher.

Man, es hätte so schön sein können … ich glaube, ich brauche erstmal eine Aspirin …. erfahrungsgemäß dauern diese Diskussionen immer länger und schlussendlich … je nach Länge, gewinnt das Engelchen oder der Teufel. Ich fungiere dann immer eher als Streitschlichter und probiere es beiden irgendwie recht zu machen …

Ich wollte gerade meine Augen schließen, da geht es schon weiter … aber diesmal nicht in meinem Kopf, sondern auf meinem Schlafzimmer ….

Während Angel (englisch ausgesprochen Spitzname Angie) 17cm groß, mit Bleistift und post ist mein Fenster mit der to do Liste dekoriert schleift Luz, 17,7 cm groß und ein Ego was dem eines 2,05m muskulösen und bildhübschen Gott von einem Mann in nichts nachsteht, die Amaretto Flasche über den Teppich und stellt diese leicht außer Atem auf meinem Plüschteppich, der vor meinem Bett liegt, ab.

Mein Blick wanderte zum Fenster um die inzwischen mind. 20 Zettelchen zu lesen, da hörte ich einen Schraubverschluss, zweimal gluck, gluck, und das Zuschrauben der Flasche. Mein Kopf drehte sich zu Luz, der dreckig grinste und meinte: „Na ein Schluck für dich und ein Schlückchen für mich.“ Mit dem Handrücken wischte er sich über den Mund und und ein lauter Rülpser verlies seinen Körper.

Ein Schmunzeln konnte ich nicht verbergen und er zwinkerte mir lasziv zu und ließ seine Hüften kreisen. Angewidert wendete ich meinen Blick ab und nahm ein paar Schlucke von meinem Kaffee 2.0
Hach so ein Kaffee mit Schuss am Morgen …. mmmmhhhh… eine wohlige Wärme breitete sich in meinem Körper aus.

„Marietta, könntest du mir mal deine Aufmerksamkeit schenken?“, rief Angie, während sie wild mit den Armen wedelt auf meiner Bettdecke auf und ab hüpfte.

Ich blickte zum Fenster und mir blieb der Kaffee im Halse stecken.

Mein Fenster glich einem Whiteboard mit strukturiertem Timetable, Prioritätenliste und roten Ausrufezeichen mit Aufgaben für die nächsten 4 Wochen.

„Angie, ist das dein Ernst?“, ich zog mir die Decke über den Kopf und zählte langsam 21,22,23 in der Hoffnung, dass das alles nur ein schlechter Traum war.

Da tippte mit etwas an die Nase. Ich blickte unter der Decke auf und sah in das verschmitzte Lächeln von Luz, der mir mit einer Geste gebot leise zu sein.

Er flüstert: „Sag ich doch, die hat doch echt nen Knall! Die mit ihrem Wahn!“
„Aber was machen wir denn jetzt?“, frage ich in leise. „Es ist ja nicht so, dass ich nicht wirklich vor hätte was Produktives zu tun aber das?!“, ich rollte mit den Augen. „Sag ich doch! Netflix and chill“, grinste Luz.
„Stop, so nun auch nicht!“, flüsterte ich, während ich meine Hand hob, um ihn mit meinen Fingern zu Seite zu schnipsen. Er duckte sich lachend weg und ich tauchte mal wieder auf. An dem Bild was sich mit bot, hatte sich in der Zwischenzeit leider nichts zu meinen Gunsten geändert. Angie hat netterweise noch so ein paar Blümchen und Schmetterlinge drumherum gemalt.

„Marietta …. nun guck doch nicht so … ich habe auch Kaffee und Raucher Pausen (was du übrigens lieber mal sein lassen solltest) eingeplant und wenn du dich genau an meinen Plan hältst, bist du heute um 23:43 Uhr mit deinem Tagespensum durch.“
„Dein Ernst?“, kreischte ich fassungslos. „Es ist Sonntag, ich habe frei und hab eine anstrengende Woche hinter mir.“, jammerte ich.
„Tja, würdest du dich in der Woche besser strukturieren und vielleicht mal auf mich hören, hättest du alles auf dem laufenden und nicht mal halb so viel zu tun“, sprach Angie im vorwurfsvollen Ton, mit erhobenen Zeigefinger.

„Schulz“, rief es neben mir von Kopfkissen. Luz nuckelte schon wieder, an der Amaretto Flasche.

Ich rollte mit den Augen.
„Netflix and chiiiiiiiiiiiilllll“, flötete Luz und wurde glatt, mit einem zusammenknüllten post it von Angie am Kopf getroffen.
„Hey“, rief er laut aus, als er es zurück auf Angie warf, aber diese kicherte nur und Luz, der inzwischen ganz schön angetrunken war, kullerte fast vom Bett.

Ich betrachtete die Liste und überlegte ernsthaft, ob ich nicht den einen oder anderen Punkt abarbeiten sollte.

Die beiden Streithähne kullerten inzwischen, als verbundenes Knäuel gackernd und lachend quer über den Teppich. Eigentlich haben sich die beiden Geschwister doch ganz schön gerne.

Ich lächelte, schnappte mir meine Kopfhörer und beschloss, noch ein Kapitel meines Hörbuches zu lauschen und meinen Kaffee zu Ende zu trinken.

Dabei muss ich wohl eingeschlafen sein.
Ich wurde wie vom Donner gerührt wach, als mein Handywecker um 9:00 klingelte.
Verwirrt drückte ich ihn auf stumm und schaute ins Menü. Mmmhhh, gestellt hatte ich ihn auf jeden Fall nicht.

Ich blickte mich um. Die Sonne war schon komplett aufgegangen und schien fröhlich in mein Schlafzimmer.
Das Fenster …. überlegt ich …. irgendwas stimmt damit nicht …. da klebte ein post it mit dem Text: Putz mich und dahinter war kunstvoll ein Blümchen gemalt. Komisch.
Ich dachte mir nichts dabei, schnappte mir meine Kaffeetasse vom Nachttisch und Schlich in die Küche, um mir einen Kaffee zu holen. Ich kam noch an einem Zettel mit der Aufschrift: ‚Saug mich‘ und ‚Wasch mich‘ vor bei und fragte mich, ob ‚Frau Holle‘ mir wieder einen Streich gespielt hat, um mich zum Frühjahrsputz zu motivieren, aber das große Badezimmerfenster, durch das sie kommen würde, war geschlossen. In der Küche musste ich dann doch stutzen. Neben dem Kaffeevollautomaten lag die leere Amarettoflasche, mit einem kaum lesbaren Zettel mit der Aufschrift ‚Sorry Babe‘ und ich begann leise an zu kichern. Als ich mich dann genauer umschaute und die Küche übersät war, mit Post it‘s wusste ich, dass es doch kein Traum war.

Ich beschloss, wenigstens ein paar Dinge von Angies Liste zu erledigen, aber zuerst setzte ich mich mit einem Kaffee und einer Zigarette auf die Terrasse und bewunderte die perlmuttfarbene Schneelandschaft im Garten.

PS. Dieser Kaffee war dann wohl, dank Luz, wieder ohne Amaretto. Grins