Gipfelbasilisk

Sommersonnenwende

voVon chaotisch_aber_liebenswert

Der Magier Walburg spülte grad die letzte Flasche mit Salz aus.

Es war das Fest der Sommersonnenwende und er hatte das Ritual wie jedes Jahr gewissenhaft und hoch konzentriert vorbereitet.

Er sprach die magischen Worte natürlich ohne Zauberbuch, Pergamentos oder die Hilfe von den Blütenfeen. Er kannte sie schließlich auswendig. Wie im Schlaf formte er den Lehm um die Flaschen und stellte sie in den magischen Kreis. Es war sein 373. Ritual und somit auch sein letztes. Im nächsten Jahr würde endlich der nächste Großmagier seinen Platz einnehmen, falls es ihm dieses Jahr gelingen würde, endlich einen Nachfolger zu finden. Die letzten 73 Jahre war dies allerdings nicht der Fall gewesen. Entweder verfluchten sie sich bei einer verunglückten Zauberformel selber, starben bei der Prüfung oder sie waren selbst dazu zu dumm. Sie waren einfach sowas von ungeeignet, sodass sie nun entweder mit ihrer Anwesenheit den Eichenwald um sich selbst als Exemplar erweiterten, man beachte dabei die krüppeligen meist kahlen oder von Schmatzkäfern befallenen Exemplare, oder … ok … diesen Teil sparen wir hier lieber einmal aus.

Plötzlich formte sich der Lehm um den Flaschen zu kleinen Männchen, die fröhlich brabbelnd von dem Altar sprangen. Der Trankgolemzauber war geglückt. Walburg hatte auch nichts anderes erwartet. Doch der Kreis, der sie im Zaum halten sollte, hielt nicht.

Dies bemerkte er leider nicht rechtzeitig, weil er weiter seinen Gedanken nachging. Stattdessen bemerkte er es erst, als die kleine Meute durch sein Zauberlabor hüpfte und dabei fröhlich juchzend von den Kochlöffeln rutschten, in den leeren Kesseln kreiselten, Limbo nackt unter den Kräuterranken hindurch tanzten oder ihre kleinen Hinterteile mit runtergelassenen Hosen aus dem kleinen Fenster streckten.

Walburg schreckte aus seinen Gedanken hoch und stöhnte auf. Dieses Missgeschick war ihm bis jetzt nur ein einziges Mal passiert. Merlin sei Dank hatte er daraus gelernt und einen dauerhaften Schutzkreis um sein Haus gezogen. Dieser war: wetter-, zauber- und schmetterlingsresistent. Walburg hasste Schmetterlinge. Als Tee oder im Salat konnten diese kleinen flatternden Gesellen zwar ganz schmackhaft sein, aber er hasste ihr Gesumme und Gesinge und dieses ständige ‚Gute Laune‘ Verbreiten. Dies ertrugen seine Nerven schon lange nicht mehr.

Da waren ihm die kleinen Gnome, die die Festlichkeit zur Sommersonnenwende immer auflockerten, um einiges lieber.

Grinsend erinnerte er sich an die Kleinen letztes Jahr, als drei von ihnen so viel getrunken hatten, dass sie sich in den Ausschnitt der Elbenkönigin übergaben. Oder das Jahr davor, als sie ihre kleinen Schwänze durch die Löcher im Zaun schoben und eine ausgefallene Version des Dauerbrenner Hits der magischen Welt: Manamana dididididi zum Besten gaben. Oder davor als…..

Naja, vielleicht beim nächsten Mal. Walburg musste sich nun erstmal um diese kleinen Racker kümmern.

Ende