Messetag eines Ausstellenden – ein Protokoll.
Hast du dich schon immer mal gefragt, wie so ein Messetag eines Ausstellenden aussieht? Dann viel Spaß bei diesem prototypischen Gedächtnisprotokoll, gespickt mit einigen Anekdoten von mir aus verschiedenen Events!
Gedächtnisprotokoll eines Messetags
05:20 – Bin aufgeregt und schon wach. Mist, erst in vierzig Minuten öffnet das Frühstücksbuffet, was mache ich denn so lange?
05:30 – Stehe auf, gehe duschen, mach mich fertig.
05:40 – Bin fertig, was nun? Schaue unmotiviert aus dem Fenster. Noch dunkel draußen, im Bürogebäude gegenüber geht Licht an. Reinigungskräfte putzen die Räume.
05:45 – Habe schon wieder auf die Uhr geschaut und werde mir bewusst, dass ich ständig auf die Uhr gucke, schalte den Fernseher an.
06:00 – Oh, über der x-ten Wiederholung einer Krimiserie ist die Zeit dann doch vorbeigegangen. Gehe endlich zum Frühstück.

06:10 – Sitze beim Frühstück, heute habe ich mir zwei Körnerbrötchen, Pflaumenmarmelade, Nougatcreme, Käse, Frischkäse, etwas Obst und ein Ei genommen, vielleicht hole ich mir gleich noch Joghurt. So langsam kommen auch die Anzugträger dazu. Ein Anzug fällt auf. Farbe stimmt nicht. Ich seh genauer hin, es ist eine Militäruniform.
06:15 – Hektisch rennt eine Person zum Buffet, lädt sich die Teller auf (ja Mehrzahl), setzt sich an den Tisch neben mir, Zeitung wird aufgeschlagen, Laptop geöffnet. Blick geht aber ins Handy, wildes Getippe. Das Essen wird Nebensache. Ich hab mein Handy mit Absicht stumm und in der Tasche, ich beobachte zu gerne in solchen Situationen Menschen.
06:30 – Herr Nachbartisch hat inzwischen das Handy weggelegt und ist zu seinem Laptop gewechselt. Ich bin mit dem Frühstück eigentlich fertig, nehme mir aber einen zweiten Kaffee, oben im Zimmer wird es mir sonst nur langweilig.
06:40 – Herr Nachbartisch ist inzwischen wieder fort. Zeitung wurde von ihm ungelesen wieder zusammengefaltet. Digitale Geräte waren spannender. Zwei Frauen mit Sebastian Fitzek T-Shirt kommen in den Raum und begrüßen freudestrahlend zwei Männer. Insgesamt sehr laut. Ich muss an »Miss Merkel – Mord auf hoher See« denken und grinsen. Entscheide zu gehen, es wird mir insgesamt zu wuselig und zu laut. Trinke nur noch den letzten Schluck Kaffee.
06:45 – Wieder auf dem Zimmer. Ich brauche mit dem Auto 5 Minuten bis zur Messe, sie öffnen die Türen für die Aussteller*innen erst um neun. Mache ratlos wieder den Fernseher an und schaue die nächste Wiederholung einer Krimiserie. Sie nervt.
07:00 – Erledige nebenbei Social Media. Wenn ich schon wach bin, kann ich was Nützliches tun. Teile Fotos vom gestrigen Standaufbau.
07:30 – Und jetzt? Das ging zu schnell. Ich packe die Messetasche, überprüfe dreimal die Lesestellen im Buch für meine Lesung heute und stecke es in den Rucksack, ziehe Powerbanks von den Ladestationen ab. Snacks und Getränke dürfen auch nicht fehlen.
07:35 – Nehme mir ein Buch und lege es eine Seite später wieder weg, weil ich zu aufgeregt bin.
07:40 – Konzentriere mich weiter auf die Krimiwiederholung.
08:00 – Kontrolliere, ob ich wirklich alles eingepackt habe. Gehe ins Bad, schminke mich.
08:10 – Kippe mir aus Versehen Wasser über die Socken. Föhne sie trocken, anstatt einfach ein anderes Paar anzuziehen. Die nächste Wiederholung beginnt.

08:20 – Bin so aufgekratzt, dass ich die Tasche erneut kontrolliere. Merke, dass ich raus muss. Packe endgültig alles zusammen. Ein letzter Blick in den Spiegel.
08:30 – Fahre los zur Messe. Auto hab’ ich am Abend vorher geladen und die Route ist schon in Maps gespeichert. Vorbereitung ist alles.
08:35 – Bin an der Messehalle, sie hat logischerweise noch nicht auf, aber ein paar andere Ausstellende stehen auch schon davor und warten. Ich setze mich auf den Rand eines Blumenkübels. Hätte doch den Pullover anziehen sollen, will ihn aber nicht aus dem Rucksack kramen. Bin schlichtweg zu faul.
08:40 – Ein bekanntes Gesicht erscheint, Smalltalk.
09:00 – Betrete endlich die Messehalle. Kolleg*innen grüßen freundlich im Vorübergehen. Räume das Tuch über dem Stand weg. Kontrolliere, ob alles ordentlich steht.

09:05 – Gehe mir einen Messekaffee holen. Schlange ist schon beachtlich. Stimmung bei den anderen zwischen “Grr, sprich mich bloß noch nicht an, das ist mein erster Kaffee!” und “Jay, heute wird ein wirklich guter Tag!” Derweil frage ich mich, ob ich wirklich noch einen Kaffee trinken sollte, bin doch eh schon überdreht. Ich entscheide aber, dass ich einen brauche.
09:20 – Hab mich mit jemanden verquatscht, den Kaffee dabei getrunken und bin eine Runde durch die Halle gegangen. Die Stimmung vor Öffnung der Messe schwankt zwischen geschäftigem Treiben und ruhigem Aufwachen. Ein bekanntes Gesicht verkauft mir das erste Buch des Tages, das ich auf meiner Liste hatte. Es hat seine Vorteile, schon früher auf dem Gelände sein zu dürfen.
09:30 – Gehe zum Stand, meine Kolleg*innen trudeln ein. Wir haben bereits am Abend vorher beim Aufbau alle Absprachen getroffen und uns gegenseitig die Bücher gepitcht, sodass alle am Stand jetzt jedes Produkt verkaufen können.
09:45 – Schnappe mir mein Mikrophon und nehme kurze Videos von Kolleg*innen für Social Media auf.
09:55 – Eile zum Stand zurück. Die Messe hat wohl einen Tick früher aufgemacht, erste Besucher*innen kommen in die Halle.

10:00–11:00 – Erste Gespräche mit Leser*innen. Ich komme langsam im Messemodus an, was mich zufrieden macht.
11:15 – Erster Buchverkauf. Das Treiben vorm Stand beginnt langsam zu verschwimmen, weil so viele Eindrücke auf mich einprasseln. Gefühlstechnisch ist das für mich aber neutral.
11:25 – Gipfli sieht einen Pilzhut und macht auf sich aufmerksam, fragt total awkward, ob er ein Foto machen darf. Es werden Fotos gemacht. Gipfli ist happy.
13:00 – Huh, äh wo ist die Zeit hin? Es wird immer voller. Gespräch mit Person geführt, die mich kannte, sich aber nicht mit Namen vorgestellt hat. Wende mich an Kollegin. Gipfli: “Kannst du mir sagen, wer das war?” Kollegin: “Ich dachte, du könntest mir das sagen?” Wir lachen und grübeln. Durchforsten in einer Pause Social Media. Finden die Person. Lachen.
13:30 – Wir bekommen Kaffee und Pommes an den Stand gebracht. Hier ein “Danke” an all die Menschen, die während der Messen immer wieder an mich denken.
14:50 – Gehe zur Lesung, bin mega aufgeregt.
15:00 – Sitze sehr nervös vielen neugierig wirkenden Menschen gegenüber.
15:30 – Warum war ich nochmal aufgeregt? Ich eile zum Stand zurück.
15:40 – Spreche mit Menschen, die bei der Lesung waren, verkaufe Bücher, spreche noch mehr, trinke zwischendurch einen Schluck. Vermutlich tun mir inzwischen die Füße weh, ich merke es aber kaum, stehe in Socken hinterm Stand.
18:00 – Ok, wo ist die Zeit hin? Treffen mit einigen Menschen bei mir am Stand.

18:30 – Sitze mit besagten Menschen beim Essen. Gespräche, Lachen.
22:00 – Wieder im Hotel. Gehe Duschen.
22:10 – Erste Reflexion. Ich bin platt. An wie viel vom Tag werde ich mich erinnern? Hatte einige interessante Gespräche, mache mir von den wichtigsten Notizen. Werde ohnehin die Hälfte vergessen. Messetage überfordern mich. Bin aber sehr zufrieden.
22:20 – Mache Kassensturz. Um die Uhrzeit rechnen ist krass. Zum Glück hab ich eine Excel-Tabelle.

23:00 – Liege im Bett. Kann nicht schlafen. Zu viele Eindrücke schwirren mir durch den Kopf. Fernseher läuft, schneide die Videos vom Event und plane sie als Social Media Posts für den nächsten Tag ein.
00:30 – Bin immer noch wach. Mache genervt den Fernseher aus. Letzte Story geplant. Schließe die Augen.
05:20 – Bin aufgeregt und schon wach. Mist, erst in vierzig Minuten öffnet das Frühstücksbuffet, was mache ich denn so lange? … mich beschleicht das Gefühl eines Déjà-vus.
Fazit & Ausblick auf die kommende Messe
Ihr seht – Messetage sind für mich sehr lang und intensiv. Die Zeit ist so voller Eindrücke, dass ich es oft wirklich nicht genauer beschreiben kann. Es sind immer so ein, zwei Schlaglichter, an die ich mich wirklich gut erinnere, aber der Rest verschwimmt.
Seid mir also nicht böse, wenn ich mich mal nicht an ein Gespräch mit euch erinnere. Und bitte sprecht mit mir nichts Wichtiges im Messetrubel ab oder sagt mir gleich, dass ich mir das notieren muss. Sonst ist es im Zweifel leider weg.

Visitenkarten funktionieren für mich auf Messen übrigens auch nicht gut. Ich weiß oft hinterher nicht mehr, warum und von wem genau ich eine bekommen habe. Daran arbeite ich aber.
Und was mich auch immer ein bisschen ärgert: Ich vergesse oft Fotos zu machen. Deshalb wird es bei der kommenden Buch Berlin an unserem Stand auch einen Fotodrucker geben und ein Album, in das die Bilder direkt geklebt werden und in das ihr euch mit eintragen könnt. Vielleicht hilft die visuelle Komponente mir, mich an mehr zu erinnern. Fragt mich also gern nach einem gemeinsamen Foto!
Ihr sucht die anderen Beiträge zur Messevorbereitung? Dann schaut mal hier:


