Gipfelbasilisk

Sieh an, ein Flöckchen

Text von: chaotisch_aber_liebenswert

Beitragsbild: von Adam B. Bild 1 und Kevin Blanzy Bild2, gefunden auf Pexels, nachbearbeitet von Gipfelbasilisk

Triggerwarnung: Krankheit, Umweltzerstörung, Negative Auswirkungen auf Tiere


Ein Rehlein stand auf einer Lichtung eines kleinen Wäldchens und aß etwas von dem herabhängenden und immer karger werdenden Grün.
Niemand konnte sich bis jetzt erklären, was mit dem Wäldchen passiert war.
Aber eines stand fest, der Wald war krank. Keine Feen waren mehr anzutreffen, viele Vögellein hatte bereits das Weite gesucht und auch die Eumel, hatten sich weit weg von diesem Ort zurückgezogen.
Vom Himmel schwebte ein kleines Ding herab, und landete direkt auf der Nase des kleinen Rehleins.
Ein schmerzhafter Stich durchzuckte es an der Stelle, auf der das, Flöckchen gelandet war. Das kleinen Rehlein fühlte sich auf einmal etwas anders. Konnte aber das Gefühl nicht einordnen.
“Nanu? Was bist denn du?“, dachte das Rehlein verwirrt.
Es hatte so etwas wie das Flöckchen noch nie zuvor gesehen. Dies war aber auch kein Wunder, da es ja erst im Sommer zur Welt gekommen war.

“Ich bin ein Flöckchen, eisig kalt und ohne Röckchen.“

“Ein Flöckchen?“, verwundert kräuselte das Rehlein seine Nasenspitze. Die nun eiskalt gewordene Nase fing an, entsetzlich zu brennen.
“Aber was machst du hier?“

“Ich segel vom Himmel ganz still und leis,
doch berühre ich dich, wird es dir kalt und heiß.“

Eine glockenklare und heitere Stimme mit einem eiskalten Lächeln hallte mit lieblichen Worten durch den Kopf des Rehleins. Ein zweiter Kälteschauer, dem ein Brennen folge, schoss durch seinen jungen Körper. An der Nase bildete sich eine leichte Kruste und Blutstropfen bahnten sich ihren Weg und fielen in den frisch gefallen Schnee.
“Was ist das? Warum machst du das? Hör damit auf!“, schrie das Rehlein innerlich. Mit einem Kopfschütteln versuchte es langsam, panisch werdend das Flöckchen loszuwerden. Aber es gelang ihm nicht.

Das Flöckchen lachte hell und klar auf, richtig freudig erregt und sprach weiter in seinem melodischen Singsang:

“Ich bin ein Flöckchen, ganz wild und frei, und weißt du?
Ich hab ganz viel Spaß dabei!
Verstehst du es nicht?
Das Wäldchen wird sterben und wir, hah,
wir bringen tot und verderben.“

Das Flöckchen tanzte nun von Rehleins Nasenspitze, über die Schnauze, die Stirn hinauf. Rutschte den Hals hinab, drehte ein paar Pirouetten auf seinem Rücken, bis es auf der Schwanzspitze zum stehen kam. Hinter sich zog es eine stinkende, faulig riechende Spur her, die sich immer weiter auf dem Rehlein ausbreitete.
Dem Rehlein wurde der Kopf ganz schwer, die Beine zitterten ihm und es brach zusammen.

“Warum?“, hallte ganz leise die Stimme des Rehleins zum Flöckchen.
Mit letzter Kraft schaute es sich auf der Lichtung um. Den anderen Tieren erging es, zu seinem Entsetzen, nicht besser. Die Hasenfamilie mit ihren sechs Jungtieren… das Eichhörnchen…. oder auch der Fuchs der seine Nase aus dem Bau steckte…
Alle lagen leblos am Boden. Blut ran ihnen aus Augen, Mund und Nase. Ein bestialischer Gestank breitete sich immer weiter auf der Lichtung aus.
Das Flöckchen schaute das Rehlein sanft an und flötete:

“Ach sei nicht dumm, wir sind ganz lieb,
wir sind aus der Chemie-Fabrik.

Die Abfälle kochen sie ganz heiß auf,
und wir steigen dann in die Lüfte hinauf.

Und weil es zu kalt ist, für uns kleine Tröpfchen,
werden wir halt zu giftigen Flöckchen.

Wir segeln hinab und schau dich um,
wir bringen alles Lebendige um.

Ob groß ob klein, ob Tier ob Blatt,
wir machen einfach alles platt.“

Das Flöckchen tanzte zurück zur Nasenspitze des kleinen Rehleins. Dieses hatte bereits die Augen geschlossen. Das Herz schlug nur noch langsam und träge.
Da wandte sich das Flöckchen erneut und zum letzten Mal an das Rehlein:

“Du merkst es in dir,
dein Herz tut weh,
und gleich liegst auch du,
tot im Schnee.”

Der letzte Atemzug entwich der Lunge des kleinen Rehleins und es ergoss sich eine übel riechende Lache über dem Waldboden.

Auf der Lichtung war es Toten still geworden.
Einzig das Flöckchen war noch einmal leise zu hören:

“Und wer ist schuld? Was denkt denn ihr?
Richtig, der Mensch, in seiner Dummheit, Arroganz und Gier.”

Ende