Bild von Sarah Malhus mit dem Cover ihres neuen Romans. Auf blauem Hintegrund

Recap: Gipfelbasisilisk trifft … Sarah Malhus

Der Abend mit Sarah Malhus war sehr spannend. Wir haben natürlich über sie und ihr Schreiben gesprochen, aber auch über Reisen nach York, die damit verbundene Recherche für ihr Projekt »From Light to Dusk« (das Crowdfunding läuft noch bis 26.04.2026 Crowdfunding From Light to Dusk) und dem Roman an sich.

Eine der wichtigsten Aussagen des Abends war für mich: »Halte dich nicht an Konventionen!« Sie begründet dies mit ihrem Debütroman »Von Fabelwesen und Königen – Aus dem Leben eines Barden«, der den zweiten Platz beim Tolino-Media-Preis geholt hat, zwei Monate auf der Fantastik-Bestenliste war und für den Preis  »Nerds gegen Stephan« nominiert war. Er passt nicht in die klassische Erzählweise, da er in Kurzgeschichten mit überlaufender Rahmenhandlung erzählt wird – und war dennoch ein Erfolg.

Kurzprofil der Autorin Sarah Malhus

Foto: Sarah Malhus – Autorin
Fotografiert von Jens Bicker
  • Schreibt seit dem 12. Lebensjahr.
  • Schreibt »cozy Fantastik mit Blick fürs Detail«, ist Autorin und Herausgeberin.​
  • Lebt nördlich von München mit ihrem Lebensgefährten und zwei Kaninchen
  • Mitglied und Mitbegründerin der »Münchner Schreiberlinge«, beteiligt an Anthologien und Vereinszeitschrift „Der Schreiberling“.​
  • Die neue Anthologie, die sie betreut, beginnt am 01.04. und hat das Thema »Found Family«.
  • Genres: Fantasy, Mystery bzw. in Kurzgeschichtenform wesentlich mehr.
  • Debütroman »Von Fabelwesen und Königen – Aus dem Leben eines Barden«.

Website | Instagram | Crowdfunding


Sarah Malhus: Vom Schreiben und Veröffentlichen

Sarah hat mit zwölf Jahren angefangen zu schreiben. Sie erinnert sich lebhaft, wie sie auf dem alten PC ihres Großvaters ihre ersten Versuche gestartet hat und wie so manches Plotbunny sie in seinen Bann gezogen hat.

(…) ich saß da einfach, mir war langweilig, weil meine Eltern mit meinen Großeltern beim Kaffee & Kuchen saßen und die Erwachsenengespräche haben mich überhaupt nicht interessiert (…)

Was sie aus ihrem Debüt gelernt hat

Sechzehn Jahre hat sie sich mit mehreren Pausen im Schreiben an verschiedensten Manuskripten versucht. Ihr Debüt »Von Fabelwesen und Königen – Aus dem Leben eines Barden« hat sie nach eineinhalb Jahren fertiggestellt. Dies ist auch einem Pakt mit ihrer jetzigen Lektorin, Wortlichtung, zu verdanken, welche sie 2016 kennen lernte. Beide wollten ihre Geschichten zu Ende bringen und haben es dann gemeinsam geschafft. Seitdem hat das Schreiben sie durch viele schlimme Zeiten getragen. Es ist für sie ein Stück weit ein Verarbeitungsmechanismus, aber auch Eskapismus, und sie möchte es nicht mehr missen.

Dass ihr erster Roman so ein Erfolg geworden ist, erzeugt nicht mehr Druck als sie sich selbst eh schon macht. Sie zieht aber viel positives aus den Nominierungen, den Auszeichnungen und der Zeit auf der Fantastik Bestenliste. Denn:

Der Barde hat eine recht ungewöhnliche Struktur, da er eigentlich aus 15 Kurzgeschichten besteht, die aber chronologisch erzählt werden und eine überspannende Handlung haben.

Dass ihr Debüt  so geliebt wird, trotz der ungewöhnlichen Plot-Struktur, bestärkt sie in dem Glauben, dass unkonventionelle Romane auch eine Zielgruppe haben. Und mit diesem Wissen geht sie ihre zukünftigen Projekte weiter an.

Mockup vom E-Book und der Paperback Auflage von: Von Fabelwesen und Königen – Aus dem Leben eines Barden mit Logos der drei Preise
Von Fabelwesen und Königen – Aus dem Leben eines Barden

Eine Frage des Stils

Wird Sarah nach ihrem Stil gefragt, beschreibt sie ihn als trocken-humorig mit vielen gehobenen Augenbrauen. Gerade in ihrem neuen Projekt York (»From Light to Dark«) wird das sehr stark ausgeprägt sein, dank einem ihrer Protagonisten, einem »sehr trockenen Typen«.

Generell beschreibt sie ihre Geschichten als »cozy Phantastik mit Blick fürs Detail«. Dabei definiert sie den »cozy«-Aspekt folgendermaßen: Es gibt Probleme in der Welt, aber keine alles-oder-nichts-Fragen, die sehr häufig in der High Fantasy zu finden sind, wo Charaktere oft nur das Vehikel für die Plots sind. In cozy Geschichten stehen für sie aber eher die Figuren im Fokus, da dürfen sie sich auch einmal hinsetzen, etwas essen und trinken und eine gute Zeit haben. Die Details sind ihr dabei sehr wichtig. So beleuchtet sie auch Erzählungen, Erinnerungen oder kleine Unterhaltungen, die nicht unbedingt (wie bei Chekhov’s Gun sonst üblich) später wieder auftauchen und für die eigentliche Storyline wichtig sind.

Ausflug nach München

Sarahs Wirken ist aber nicht allein im stillen Kämmerlein entstanden. Eine super wichtige Rolle spielen für sie auch die Münchner Schreiberlinge, die sie mit gegründet hat. Sie selbst hat dort Freund*innen fürs Leben gefunden und benennt dabei insbesondere Roxane Bicker als ihre Lieblingsperson. Der Verein hat sie geformt und sie glaubt, sie hätte heute nicht mal ihr Debüt veröffentlicht, wenn es ihn nicht gäbe.

Die Münchner Schreiberlinge bringen jährlich zwei Anthologien heraus. Ihr müsst nicht aus der Region sein, um diesem Verein beizutreten. Schaut sehr gerne einmal auf der Homepage dieser Gruppierung schreibender Personen vorbei: https://muenchnerschreiberlinge.com/.

Noch mehr Einblicke dazu und in Sarahs Arbeit allgemein bekommt ihr auf YouTube. Hier könnt ihr euch unser gesamtes Gespräch noch einmal anschauen.


Projekt York – From Light to Dusk

Klappentext

Während einer nächtlichen Streife durch Whitechapel erlebt Constable James Light das Unfassbare: Eine geisterhafte Gestalt greift seinen Kollegen an und tötet ihn. Niemand glaubt James, stattdessen gerät er selbst unter Mordverdacht. Obwohl er freigesprochen wird, sind Ruf und Karriere bei der Metropolitan Police unwiderruflich zerstört.

Als sich die Möglichkeit bietet, eine Detektei in York zu übernehmen, schlägt James zu. Doch dort erwartet ihn nicht nur eine fremde Stadt, sondern auch der ebenso scharfzüngige wie charmante Gentleman Phileas Dusk, der eigentliche Erbe des Geschäfts. Ein weiterer unheimlicher Angriff zwingt James, eine unfreiwillige Partnerschaft mit Phileas einzugehen.

Schon bald führt ein neuer Auftrag sie nach Fogwood Manor, einem verlassenen Anwesen mit düsterer Vergangenheit und einer Familie, die auch im Tod keine Ruhe gefunden hat. Um den Spuk zu beenden, müssen James und Phileas einander vertrauen – und erkennen, dass ihre Zweckgemeinschaft weit mehr ist als der Versuch, die Jagd auf Geister zu überleben.

Entstehung und Recherche

Projekt York ist durch Zufall entstanden. Sarah hat eine Dokumentation über das Titanic-Unglück gesehen und auf einer Tafel stand der Name Light. Innerhalb von Millisekunden hat ihr kreativer Nerv reagiert und Light bekam einen Partner Dusk und beide wurden Geisterjäger. Sarah liebt Sherlock Holmes und Arthur Conan Doyle und was er erschaffen hat. Sie hat alles gelesen und viel übrig für seinen Erzählstil. Kurzum, sie wollte bald schon eine Geschichte über die beiden Geisterjäger verfassen.

Cover vom Roman From Light to Dusk von Sarah Malhus Das Bild zeigt einen Abendhimmel vor dem zwei Kirchentürme stehen

Und auch wenn diese in London, Whitechapel in der Zeit der Viktorianik beginnt, so hat sie die Storyline doch hauptsächlich nach York verlagert, da das die Stadt mit der höchsten Geisterdichte der Welt sein soll. Der perfekte Spielort also für ihre Idee.

York Minster In Der Abenddämmerung In York In England
Foto von Explore Heritage von Pexels

Wenn Sarah real existierende Orte beschreibt, ist es ihr wichtig, diese auch wirklich gesehen zu haben. Darum ist sie nach York gereist und ist alle Schauplätze abgegangen und hat viele Detailfotos gemacht, um später Beschaffenheiten von Straßen und Häusern möglichst genau beschreiben zu können. York machte es ihr dabei sehr leicht, da die Stadt den besterhaltenen historischen Stadtkern ganz Großbritanniens hat. Viele eigene Erlebnisse während ihres Besuches haben dabei den Text beeinflusst. So beschreibt sie zum Beispiel zwei Katzen, denen sie auf einem Friedhof begegnet ist und die einfach ins Buch mussten.

York hat außerdem nicht zu viel versprochen. Sarah sagt selbst, dass du keine zehn Meter gehen kannst, ohne über eine Geistergeschichte zu stolpern. Sie hatte beim Berühren eines alten Balkens eines Hauses das Gefühl, er würde regelrecht mit ihr Sprechen. Ein mystischer Ort, der sie tief beeindruckt hat.

Sie hatte auf der Reise aber auch viele wunderschöne Erlebnisse, vom Einfahren in den wunderschönen alten Bahnhof der Stadt, bis zum letzten Tag, an dem sie durch Zufall Eulen streicheln durfte.

Ihre Recherche war aber bei der Reise nicht zu Ende. Online hat sie alte, eingescannte Zeitungen des Ortes gelesen und Karten angeschaut, damit alles am Ende auch Hand und Fuß hat. Auf die Frage, wie historisch korrekt ihre Darstellungen sind, lächelt sie und antwortet, sie habe sich Freiheiten genommen. So haben die Constables damals keine Schusswaffen sondern Schlagstöcke getragen, für die Dramaturgie wären Schlagstöcke jedoch nicht so spannend gewesen.

Das ist aber etwas, was ich mir vorgenommen habe, im Nachwort zu erwähnen

Auch ein Hotel, das in der Geschichte vorkommt, war zu dem Zeitpunkt noch nicht geöffnet. Worauf sie jedoch sehr achtet, ist die Darstellung gleichgeschlechtlicher Liebe im viktorianischen Zeitalter.

Funfact zur Recherche

Bei der Online-Recherche zu York war sie etwas genervt, weil die Suchmaschinen sie ständig fragten: Meinten Sie New York? Es wäre alles viel leichter, so Sarah, wenn die Niederländer sich damals nicht von den Briten hätten besiegen lassen, denn dann würde die Stadt New Amsterdam heißen.

Grusel und Cozy – wie passt das zusammen?

»From Light to Dusk« ist von Anfang an richtig unheimlich. Sarah selbst gruselt sich wirklich nicht gerne und hat das Interesse an »kontrolliertem Grusel« so richtig erst durch die Arbeit an diesem Projekt entwickelt. Sie spielt in dem Roman gerne mit der Erwartungshaltung der Lesenden, sodass ein großer Teil des Schauers durch die im Kopf entstehende Bedrohung und durch Auslassungen so richtig befeuert werden.

Dennoch können auch Menschen, die dem Schauer nicht so zugeneigt sind, dieses Buch gut mit einem Kuscheltier bewaffnet im Bett genießen, weil Sarah ihn auf ihre cozy Art und Weise umsetzt. Wie zuvor erklärt, arbeitet der Roman besonders mit den Charakterzeichnungen der Protagonisten, ihren Emotionen und Interaktionen miteinander. Dadurch wird ein interessanter Gegenpol zum gruseligen Teil gesetzt.

Auf die naheliegende Frage nach der Zielgruppe des Romans antwortet Sarah:

(…) From Light to Dusk ist (…) für alle Menschen, die trotz großer Angst ihren Weg weitergehen und sich nicht von der Angst bestimmen lassen.

Weiterhin eignet sich die Geschichte für mysterylesende Personen und Fans des viktorianischen Zeitalters, obwohl es sich nicht um einen historischen Roman handelt. Sarah sieht ihn eher als eine Liebeserklärung an diese Epoche. Zudem möchte sie gleichgeschlechtliche Liebe in einer Zeit darstellen, in der diese nicht sein durfte. Sprich: Auch für queere Personen kann dieser Roman spannend sein.

Speeddating mit Sarah Malhus

Schreibeule.

Why not both?

Meist schnödes Wasser, aber gerade morgens Kaffee.

Mein Büro, in dem ich auch gerade sitze.

Ich würde sie eigentlich schon gerne sehen, weil ich sehr an Geistergeschichten interessiert bin und mir in alten Gemäuern ganz oft wünsche, dass ich mit jemandem reden könnte, der da drin gelebt hat.

Streicher.

Mein Lesesessel. Ich habe den obligatorischen Ikea-Ohrensessel in Dunkelgrün.

Oh, das ist eine gute, aber schwierige Frage. Nachdem sich mein ehemaliger Lieblingsautor selbst ins Aus geschossen hat, hab’ ich noch keine*n neue*n gefunden. Aber vielleicht Tess Gerritsen. Sie schreibt Krimis und Thriller, und von ihr stammt die Buchvorlage zur Fernsehserie »Rizzoli & Iles«.

Ich würde sagen, das Projekt »Bombe«, weil es mich nicht in Ruhe lässt und unbedingt geschrieben werden will. Aber es wird auch viel Arbeit, viel Recherche, viel Worldbuilding.

Doch, ich würde schon gern das viktorianische Zeitalter mal erleben. Das Erste, was ich machen würde, wäre glaub ich, High Tea trinken und Scones snacken. Und überprüfen, ob in meiner Unterkunft Arsen bestrichene Tapeten sind.


           

Crowdfunding für Projekt York

Sarah hatte sich bereits einmal für ein Crowdfunding entschieden, so auch jetzt wieder. Sie liebt das Self Publishing, das aber, wenn es auf qualitativ hochwertigem Niveau betrieben wird, eine Stange Geld kostet. Ihr ist dabei wichtig, sehr transparent zu agieren, denn Menschen geben ihr hier Geld für ein unfertiges Projekt. Darum arbeitet sie dabei sehr sauber mit Kalkulationstabellen und will auch, dass das Team ordentlich bezahlt wird, da die beteiligten Menschen mit den Dienstleistungen wiederum ihren Lebensunterhalt bestreiten.

»From Light to Dusk« wird genauso sauber und qualitativ hochwertig produziert wie schon ihr Romandebüt. Supporter*innen können sich dabei auf viele Crowdfunding Goodies freuen, die sie ganz nach ihren Interessen wählen dürfen. Es gibt Pakete, die nur das Print oder das E-Book enthalten, aber auch exklusive Bücher mit Sarahs Randnotizen, die Szenen kommentieren und ein Stück weit den Entstehungsprozess des Romans zeigen. Wenn Interessent*innen nicht das Passende für sich finden, können sie zudem Wünsche äußern. Sind diese realistisch umsetzbar, erfüllt Sarah sie auch.

Beim Crowdfunding ist ihr in jedem Falle wichtig, dass sie die Liebe und Leidenschaft für ihr Projekt vermittelt. Und wenn sie das in der gerade laufenden Aktion so umsetzt, wie es in unserem Gespräch bei mir ankam, wird ihr das meiner Meinung nach sicher gelingen.

Menschen um Geld zu bitten bereitet ihr trotz allem immer noch Bauchschmerzen, aber sie geht an dieses Thema sehr selbstbewusst ran.

Wir Selfpublisher*innen bringen inzwischen so qualitativ hochwertige Bücher auf den Markt, dass wir uns da nicht verstecken müssen! Sei es die Ausstattung, die Materialien, aber natürlich auch die Qualität des Textes selbst. Zudem bieten wir oft originelle, neue Ideen, die für Verlage schwierig zu vermarkten sind und deshalb nicht ins Verlagsprogramm aufgenommen werden. Darum müssen wir das selbst umsetzen. (Zitat sinngemäß)

Wenn ihr nun neugierig geworden seid, könnt ihr »From Light to Dusk« noch bis zum 26.04.2026 hier unterstützen: Crowdfunding From Light to Dusk

Alles zur Autorin findet ihr auf Sarah Malhus‘ Website. https://sarahmalhus.de/

Sarah auf der Leipziger Buchmesse

Ihr könnt Sarah auch auf der Leipziger Buchmesse treffen, die heute gestartet ist. Sie wird meist am Stand C 403 in der Halle 3 sein, am Stand der Münchner Schreiberlinge.

Mein Fazit

Der Abend hat mir sehr viele neue Eindrücke gebracht, die ich erst einmal verarbeiten musste. Einige Passagen habe ich mir im Nachgang sogar noch einmal angesehen.  Und für mich hab ich nun über meinem Bett den Satz stehen:

Wir Selfpublisher*innen bringen inzwischen so qualitativ hochwertige Bücher auf den Markt, dass wir uns da nicht verstecken müssen!

Wenn ich im nächsten Jahr für Vilandra den Schritt des Crowdfundings gehe, hoffe ich, dass ich das gleiche Selbstbewusstsein aufbringen kann. Vielen Dank dafür, Sarah!


Du möchtest mehr Interviews lesen? Schau doch einmal hier:

Autorenportrait von Andreas Hagemann neben Cover seines neuen Buchs, vor einem Hintergrund der von mittig Dunkelblau zu Schwarz am Rand übergeht
Gipfelbasilisk trifft … Andreas Hagemann.
Text "Marie Meier" über Autorinnern-Portrait in schwarz-weiß, darunter das Cover des Romans "Lunarcoast", vor blauem Hintergrund
Gipfelbasilisk trifft … Marie Meier

1 thought on “Recap: Gipfelbasisilisk trifft … Sarah Malhus

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner