Warum liebe ich Kurzgeschichten?
Dass ich Kurzgeschichten liebe, ist, denke ich, kein Geheimnis. Gerade abends, wenn ich nach der Arbeit im Bett liege, reicht es oft nicht mehr dafür, mich in ein langes Buch hineinzudenken, da sind Anthologien für mich die perfekte Wahl. Ich liebe Kurzgeschichten aber nicht nur als lesende Person, sondern auch als Schreibende. Ich denke sogar, dass es wichtig ist, dass auch du dich an dieser Textsorte probierst! Erfahre hier, warum!
Kurzgeschichten schreiben als Ideenschmiede
Kurzgeschichten musst du nicht als Stand-Alone-Veröffentlichung betrachten! Ich nutze sie oft einfach nur als Spielwiese für mich. Gerade wenn du mit dem Kopf in anderen Projekten steckst, kann es helfen, aufkeimende Ideen, die nicht dazu passen, niederzuschreiben. Metatexte (reiner Weltenbau, Zusammenfassungen und Ähnliches) nerven mich oft, ich will ins Schreiben kommen und Gedanken möglichst lebendig in solchen Situationen festhalten. Kurzgeschichten helfen mir dabei.

Sie sorgen dafür, dass ich versuche, meine Idee so kurz wie möglich zu Papier zu bringen. Faktisch das belletristische Äquivalent eines Exposés. Ja, du musst da viel weglassen, aber am Ende hast du die Essenz dessen, was du erzählen willst. Dabei ist es im Übrigen völlig egal, ob du die formalen Regeln dieser Textsorte einhältst, es geht darum, dass du ins Schreiben kommst und Ideen aufbewahrst. Wenn am Ende nur ein Textschnipsel ohne Zusammenhang entsteht, ist das erstmal auch in Ordnung.
Kurzgeschichten als Stilschmiede
Du hast bei einer anderen schreibenden Person eine besondere Art, Dialoge zu gestalten, bemerkt, was dir sehr gut gefiel? Du willst einfach mal andere Gestaltungsformen ausprobieren oder ein Problem, das du beim Schreiben immer wieder hast, angehen? Eine neue Perspektive versuchen, eine andere Zeitform testen (…)? Dann schreib Kurzgeschichten!
Du kannst im Kleinen besser experimentieren als in einem großen Text. Es kann sehr demotivierend sein, wenn du etwas Neues gleich in z. B. einem Roman ausprobiert hast und du dann doch wieder alles überarbeiten musst, weil es leider nicht gefällt oder funktioniert.
Ich habe beispielsweise meinen ersten Romanentwurf (nicht die Myzelchroniken, etwas anderes) komplett im Präsens und in der Ich-Perspektive geschrieben. Das Projekt liebe ich nach wie vor, es ist bisher aber unveröffentlicht, weil mir die Perspektive doch nicht gefällt und ich erkannte, dass Präsens mich nervt. Das Ganze hat zwar auch noch andere Baustellen, aber das ist die Größte.
Es wird viel Arbeit sein, das alles zu überarbeiten und anzupassen. Eine Arbeit, die ich scheue und ich wünschte, ich hätte damals mehr mit der Perspektive und Zeit in Kurzgeschichten experimentiert, um entweder a. herauszufinden, wie ich es besser gestalten kann oder b. schon da zu wissen, dass ich die Perspektive nicht mag.

Mit der Kurzgeschichte in die Erfolgsschmiede
Bitte versteh die Überschrift nicht falsch, ich werde dir jetzt nicht erzählen, wie du mit Kurzgeschichten 2000 € im Monat mit Amazon KDP machen kannst. (Ernsthaft, halte dich von Menschen, die mit solchen Aussagen werben, fern, oft gibt es dabei einen Haken, den sie verschweigen!)

Ich habe die Überschrift gewählt, weil sie sich so schön einfügt und dennoch das aussagt, was ich meine. Denn: In kleinen Texten erlebst du schnellere Erfolge, was dich motivieren kann.
Das ist wichtig, wenn du in großen Texten nicht demotiviert aufgeben willst. Ja, es gibt viele Menschen, die gut mit Lektorat und Überarbeitung klarkommen, mich demotiviert das aber zum Beispiel sehr. Wenn es dir ähnlich geht, dann probiere dich oft und viel an Kurzgeschichten aus. Beim Überarbeiten lernst du auf deine Fehler zu achten, du lernst deine Baustellen kennen und sie werden dich seltener im großen Text überraschen!
Das fertige Produkt
Für mich der wichtigste Punkt. Kurzgeschichten zu schreiben, zu überarbeiten, lektorieren, korrigieren zu lassen, jeweils zu überarbeiten und dann zu veröffentlichen dauert nicht so lange wie dieselben Leistungen auf Romanebene. Du kannst insbesondere als Self-Publisher im Kleinen testen, was du im Großen vorhast. Du lernst die Prozesse kennen, kannst Distributoren ausprobieren, dich im Buchsatz üben und erfahren, welche Dienstleistungen du abgeben und welche du selbst durchführen willst.
Noch wichtiger ist dabei aber, dass du am Ende ein fertiges Produkt hast. Dabei ist völlig irrelevant, ob du nun in einer Anthologie veröffentlichst, in einem Blog oder Forum oder einfach nur für dich geschrieben hast. Du hast eine Geschichte von Anfang bis Ende erstellt und überarbeitet. Das ist eine Leistung, die du nicht unterschätzen solltest. Bitte, sei stolz darauf!

Fazit
Kurzgeschichten sind ein gutes Mittel, um Ideen auszuprobieren, an deiner Art zu Schreiben zu feilen, neue Perspektiven einzunehmen und du hast am Ende ein Produkt, auf das du stolz sein kannst.
Trau dich einfach und vor allem erlaube dir, wie ein Kind zu spielen und Fehler zu machen, denn das gehört dazu. Auch wenn das der Punkt ist, mit dem ich am meisten struggeln.
Bildquellen:
https://unsplash.com/de/fotos/weisses-druckerpapier-yz4VF6x0W3M
https://unsplash.com/de/fotos/eine-weisse-schachtel-mit-einer-schrift-neben-einer-pflanze-j9JoYpaJH3A
https://unsplash.com/de/fotos/schwarzer-bleistift-auf-papier-3xNn1zGvBwY
https://www.pexels.com/de-de/foto/schwarze-und-rote-schreibmaschine-1995842/

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