Die Farbe des Schmetterlings
Von ©Gipfelbasilisk zur Wpd? Aufgabe Juni 2025
Die Texte wurden nicht lektoriert und korrigiert und geben den Einsendungszustand wieder.
Content Notes: Schmerzen, Monster, Entscheidungsfindung
Die Stadt vibrierte unter der Sommerhitze und irgendwo in der Ferne spielte eine leise Melodie. Das Brückengeländer lag kalt in seiner Hand, unter der Brücke rauschte der breite Fluss. »Vielleicht ist es Zeit, einfach abzuhauen.« Sprach er leise und lachte. Nein das wäre definitiv der falsche Weg, auch wenn es wenigstens eine Entscheidung wäre. Er hatte heute sogar seine morgendliche Tasse Tee ausgelassen. Er hatte die Wahl Kunstschule oder wie seine Eltern es wollten Biologie. Für beides hatte er eine Zusage, hatte so sehr gehofft, dass nur eine kommen würde und er so sich nicht entscheiden musste. Zeit und Energie konnte er nur für eins aufbringen. »Welchen Weg soll ich nur wählen?« »Das kommt drauf an wen du fragst!«, sagte eine freundliche weibliche Stimme. Er sah auf. Die Frau trug weite bequeme Gewänder die im Sommerwind wehten. »Entschuldigen sie, ich wollte sie nicht stören, ich dachte ich wäre allein.« »Erstens du und zweitens, in der Stadt allein?« Sie lachte glockenhell. »Also was steht denn zur Auswahl?« Er fand es schon etwas übergriffig wie neugierig sie war, aber vielleicht half es mit jemanden zu sprechen der ihn nicht kannte, neutral war. »Kunstschule oder Biologiestudium! Meine Eltern wären für Bio, aber ich brenne für beides.« »Kunst, dann ist das ja ein Zufall. Ich stelle Farben her. Aber ich verstehe schon – beides sind interessante Themen in denen es viel zu lernen gibt. Wenn ich mich nicht entscheiden kann, stelle ich mich vor einen frischen Keilrahmen und male.« Sie drehte sich zu ihm und rechte ihm die Hand. »Komm mit mir, ich werde dir helfen!« »Ich kann doch nicht …« »Du sprachst doch grade davon abhauen zu wollen!« »Das hast du auch mitgehört?« Sie nickte. »Ich werde dich auch nicht entführen, wir gehen nur in meinen Laden, dort ist ein frischer Rahmen aufgespannt und ich will sehen, was du malst.« Sie ließen die Kühle des Parks hinter sich und betraten die stickigen Schluchten der Stadt. Doch bald wich auch der Beton des Bordsteins und wurde zu Kopfstein, die Gebäude schrumpften mit jedem Schritt und sie waren in der Altstadt. Ihr Laden war in einem kleinen windschiefen Fachwerkgebäude, das sich linksseitig an ein größeres Gebäude zu lehnen schien. Kleine Buntglasfenster mit Rautenmuster in alten Holzrahmen gaben vom inneren nur das warme Licht einer Lampe preis. Sie schloss die alte Holztür auf und ein überwältigender Duft schlug ihnen entgegen. Es war nicht unangenehm wie in diesen Parfumläden bei denen er schon Kopfschmerzen bekam, wenn er an ihnen vorbei ging. Das innere war mit vielen Regalen bestückt, enge Gänge führten zu immer neuen Regalen doch er wurde wie magisch von einem sehr zentralen angezogen. »Duftende Farben?« »Ja, das ist meine Spezialität. Such dir aus, was du zum Malen brauchst, das geht aufs Haus. Dann komm nach hinten, ich koche uns derweil Tee.« Er schritt durch die Regale. Schnell fand er alles was er brauchte. Er konnte sich noch nie so frei bedienen. Nur seine heißgeliebten Malermesser musste er suchen. Er war fasziniert von den Strukturen die er mit diesem Werkzeug auf den Leinwänden erzeugen konnte. Doch welche farben sollte er wählen? Was wollte er malen? »Schließe die Augen und nimm mit was du für das erste Bild das dir in den Kopf kommst brauchst.« Erklang ihre Stimme. Sie war irgendwo hinter der Kasse verschwunden, woher wusste sie woran er dachte. Er stand wieder vor dem Regal mit den duftenden Farben. Er atmete tief ein, schloss die Augen. Der warme beruhigende Duft der Kornblume stieg ihm in die Nase. Er griff vorsichtig in die Richtung aus der der Duft kam öffnete die Augen und ein leuchtendes Blau befand sich in seinen Händen. Das Bild dessen, was er malen würde, stand deutlich vor seinen Augen. Das perfekte Thema zur Entscheidungsfindung. Für die restlichen Farben wählte er herkömmliche, er wollte nur diesen einen Duft im Bild haben. Er lief mit seinen Materialien beladen hinter die Bezahltheke in einen schmalen Gang. Eine Treppe nach unten und oben zweigte von diesem ab. »Oben!«, drang ihre Stimme die Treppe herab und führte den Duft nach Sencha mit sich. Woher wusste sie, das waren doch viel zu viele Zufälle, als das es real sein konnte. Er musste träumen. Es war sein absoluter Lieblingstee, den den er heute Morgen verschmäht hatte. Die Treppe war steiler als gewohnt, er selbst wohnte in einem Betonklotz. Der hohe Raum der sich über ihn öffnete war lichtdurchflutet. Einige Velux Fenster oben in der Dachschräge sorgten dafür, dass den ganzen Tag über die Sonne in den Raum strahlen konnte. Links an der Wand war eine kleine Kücheninsel, daneben Sitzgelegenheiten, kein Fernseher. Auf Sideboards standen kleine Figuren aus unterschiedlichsten Kulturen und in der Mitte des Raums ein Keilrahmen auf einer Staffellei, daneben auf einem Tischchen, Wasser zum reinigen der Pinsel, ein teures Porzellan mit Tee. Sie lächelte und deutete auf die Leinwand. Er zögerte. »Du willst wirklich kein Geld?« »Nein ich will dir helfen, aber wenn du mit dem Bild fertig bist, würde ich es gerne behalten, wenn ich darf.« »Es ist dein Rahmen, deine Farben, natürlich darfst du!« »Na dann los, ich bin auf dein Bild gespannt.« Er trat an die Leinwand. Befühlte den Stoff. Er war schon grundiert und komplett vorbereitet, er musste nur noch loslegen. Er schnitt mit dem Malermesser ins schwarz und begann den Hintergrund zu bearbeiten. Trug eine dicke Struktur auf. Nahm immer wieder einen schluck Tee. Das Licht veränderte sich und er drehte die Leinwand, sodass er weiterarbeiten konnte. Er hörte, wie sie leise summte, vor sich hin werkelte. Er versank wieder in seiner Arbeit. Er arbeitete den Hintergrund so, dass die schwarzen Spitzen wie Schuppen zur Mitte hinzeigten. Dort skizzierte er das Wesen das in seinem Kopf aufgetaucht war, als er die Kornblumenfarbe nahm. Der Blaue Morphofalter. »Die blaue Farbe auf der Außenseite des Schmetterlings entsteht nicht aufgrund der Pigmente, sondern aufgrund einer Interferenz des Lichtes. Die Schuppen auf seinen Flügeln sind Tannenbaumartig angeordnet.« »Also Biologie?«, warf sie nur die Frage in den Raum. Nein, er wollte malen, wollte Bilder auf Leinwänden festhalten. Kunst zu studieren war sein Traum, aber Biologie, die Welt mit ihren vielen kleinen Wesen war so faszinierend. Das Wesen das er zeichnen wollte, war mit dem Messer schnell auf die Leinwand geschnitten. Am Rand seines Blickes bewegten sich Schatten. Erschrocken drehte er sich um, doch dort war nichts. »Alles gut, zeichne weiter.«, gurrte Sie. Dann öffnete er das Blau und der Duft der Kornblumen stieg ihm überdeutlich in die Nase. Benebelte seinen Geist. Es zerriss ihn förmlich. So viele Fakten zu dem Schmetterling tauchten in seinem Kopf auf. »Sie saugen an gärenden Früchten, leben an den Waldränder des tropischen Regenwalds.« Ihn nahm aber auch sein tun völlig gefangen. Schuppe für Schuppe fand das Blau seinen Platz auf die Leinwand. Seine Sicht verschwamm. Was sollte er nur tun, welchen Weg sollte er wählen. Der Schmetterling wurde immer plastischer. Zuckte der Flügel? Nein das bildete er sich nur ein. »Lass es zu … tauche ein …« Er atmete tief durch, wollte eine letzte Schuppe Auftragen, da flatterte der Flügel. Er riss förmlich von der Leinwand, riss sie entzwei. Jetzt war er sich sicher das er träumte. Der Schmetterling löste sich endgültig, flog um die Leinwand herum, landete auf seiner Nase. Legte seine Flügel auf seine Augen und es wurde Schwarz. Bilder zuckten durch seinen Geist. Er wie er an der Universität war. Biologievorlesungen. So viel neues Wissen. Er wie er nach dem Studium die Welt bereiste, orte sah, mit ansah, wie die Menschheit die Natur zerstörte. Er warnte davor, wurde aber nicht gehört. Tiere die verendeten. Schmerzen durchzuckten seine Brust, das atmen fiel ihm schwer. Er starb. Der Wald vor seinem Inneren Auge verlor wie im zeitraffer die Farbe. Sie lief förmlich aus ihm heraus. Sein letzter Blick fiel auf eine Blaue Schwinge die durch die graue abgestorbene Landschaft flog. Zerfetzt. Nur noch trudelnd. Doch die zweite Schwinge heile. Er flog auf ihn zu. Legte seinen heilen Flügel auf ein Auge von ihm und andere Bilder durchzuckten seinen Geist. Er in einem Raum mit anderen Studierenden vor Leinwänden. In der Mitte ein Mann den sie zeichnen sollten. Er übertrug die Formen und Farben. Er wie er Wesen der Natur zeichnete. Eine Ausstellung, seine Bilder an den Wänden. Ein Kind das fasziniert vor dem Bild eines ausgestorbenen Käfers stand. Er wie er dem Kind von diesem Käfer berichtete. Es wurde groß, er wurde alt. Auch in diesem Bild hauchte er seinen letzten Atem aus. Jedoch verlor das Bild seine Farbe nicht. Der Schmetterling kehrte zurück – Er öffnete die Augen, das Licht des Tages war vergangen. Vor seinen Augen flimmerte es, er bekam kaum Luft. Eine Bewegung. Nein das Licht war nicht vergangen. Er schrie. Auf ihm saß ein Wesen. Formlos, schattenhaft. Nur hier und da waberten Konturen aus der Masse. Schwer spürte er es auf seiner Brust sitzen. »Jetzt löse dich von einem Bild oder sterbe.« Zischte das Wesen. Nur langsam kam er zu sich. Spürte das es seinen Kopf hielt. Eis lief durch seinen Körper. Er dachte an die Bilder. Ihm war, als könnte er etwas bewegen, wenn er die Kunst wählte. »Die Kunst, ich wähle die Kunst.«, keuchte er. Der Griff lockerte sich. »Guter Junge«, gurrte das Wesen. Er spürte wie sich Krallen auf seine Brust legten. Schmerz flammte auf. Sein Blick verschwamm. Die Stadt vibrierte unter der Sommerhitze und irgendwo in der Ferne spielte eine leise Melodie. Was war das nur für ein Traum heute Nacht? Das Brückengeländer lag kalt in seiner Hand, unter der Brücke rauschte der breite Fluss. »Vielleicht ist es Zeit, einfach abzuhauen.« Sprach er leise und lachte. Nein das wäre definitiv der falsche Weg, auch wenn es wenigstens eine Entscheidung wäre. Er hatte heute sogar seine morgendliche Tasse Tee ausgelassen. Er hatte die Wahl Kunstschule oder wie seine Eltern es wollten Biologie. Für beides hatte er eine Zusage, hatte so sehr gehofft, dass nur eine kommen würde und er so sich nicht entscheiden musste. Zeit und Energie konnte er nur für eins aufbringen. »Welchen Weg soll ich nur wählen?« »Hatten wir das nicht schon?«, sprach eine weibliche Stimme neben ihm. Er sah auf. Die Frau trug weite bequeme Gewänder die im Sommerwind wehten. Seine Brust brannte wie Feuer. »Kennen wir uns?« »Du hast deine Entscheidung schon getroffen und mach dir wegen der Bezahlung keine Sorgen, ich habe von dir, was ich brauche.« Sie drehte sich um und blieb ihm die Antwort schuldig. Das brennen kehrte überdeutlich zurück Er öffnete sein Hemd und sah hinab. Auf seiner Brust auf seinem Herzen prangte das Bild eines Blauen Morphofalters war in sein Fleisch eingebrannt.
Tipp: Willst du noch eine weitere Kurzgeschichte aus dieser Reihe lesen? Dann schau dir “Der Duft der Farben” an!
Links zu den Videos:
Twitch: https://www.twitch.tv/videos/2505151296
YouTube: https://youtu.be/yaKO4LhCzVQ
Alles zur Was passiert danach? Anthologie
Teamvorstellung: Kommafalter, Nadine Föhse, Carolin Summer, J. Gipfelbasilisk
Autor*innen: Andreas Röger, Asteria Rabenfeder, beschaulich, Christina Brühl, Inge SaintLaurent, Katharina Jörn, Palandurwen, Stef Helmel


