Überschrift "Asphalt Gedanken" über Bild von Rissen in Asphaltdecke auf Galaxyhintergrund

Asphalt Gedanken

Von ©Inge SaintLaurent zur Wpd? Aufgabe Mai 2025

Die Texte wurden nicht lektoriert und korrigiert und geben den Einsendungszustand wieder.


Content Notes: Verbrennung, Schnittwunde


„Es ist nicht gut, wenn du da ewig drin bist, du kommst raus und hast seltsame Ideen, und
seltsame Ideen bedeuten Ärger, und wir wollen doch keinen Ärger oder? Großer? Sag was!“
Balthasar die Flasche am Mund, leert sie auf Ex, zieht betont geräuschvoll den Stuhl nach
hinten und verlässt die Küche.
„Siehst du, er will keinen Ärger, und ich auch nicht, Ärger ist nicht gut, das macht Falten.“ Loki
tippt Kay an die Stirn.
Sie schlägt seine Hand weg. „Lass das.“
„Also,“ Er schiebt seine Brille mit dem Finger hoch, streicht seine weißen Haare hinters Ohr,
nimmt einen Kugelschreiber aus seiner Kitteltasche, ein Klemmbrett vom Tisch. „Karitryell, wo
drückt der Schuh?“
„Nenn mich nicht so.“
Die Liege unter ihr wandelt sich zurück zum Küchenstuhl. Genervt rückt sie sich darauf
zurecht.
„Was habt ihr gestern Abend gemacht?“
Ihren Daumen hinter sich Richtung Küchentür gerichtet. „Warum ist er schlecht gelaunt?“
Loki, auf seinem Stuhl wippend, die Beine lang auf den Tisch ausgestreckt. Schnellt in einer
fließenden Bewegung vor, zieht seinen Cowboystiefel aus und klatscht ihn mit voller Wucht auf
den Tisch. „Du warst verf**** 3 Tage lang in deinem Raum und fragst mich jetzt was wir gemacht
haben?“ Er mustert die Sohle des Schuhs etwas zu lange, dreht sich, mit einer plötzlichen
Eingebung schief lächelnd zu Kay um. „Du hast nichtmal bemerkt, dass wir keinen Kaffee mehr
haben.“
Verwirrt blickt sie auf die mit Wasser gefüllte Tasse in ihrer Hand, dann fragend zu Loki. „Seit
wann braucht ihr mich zum Kaffee kaufen?“
„Naja wir können schon alleine Kaffee kaufen, aber er steht nicht auf DER Liste.“
Kay, folgt seiner Hand Richtung Kühlschrank. Das mit Einkaufsliste betitelte, aufgemalte
Raster ist unbeschrieben, daneben pinnt ein Stück Plastik. Ein vollendetes Galgenmännchen ist
darauf gekritzelt, darunter das Wort Kaffee.
Kopfschüttelnd steht sie auf. „Ihr Idioten.“ Sie nuschelt „dann eben ohne Kaffee“ und schlurft
gähnend zum Badezimmer.
Wasser perlt über ihr Gesicht. Die Augen geschlossen verharrt sie so einige Minuten. Sie
muss schnell den Kopf freibekommen, die nächsten Schritte überdenken. Mit einem Handtuch
rubbelt sie sich die kurzen Haare trocken. Viviane, steht in krakeliger Schrift vor ihr auf dem
beschlagenen Spiegel, mit der Faust wischt sie es weg und schreibt Smith daneben. Zufrieden
wühlt sie in einem Stapel Kleidung, der auf dem Badezimmerboden liegt, fischt ein transparent
grünes Plastikkleid heraus, einen breiten Stretchgürtel und eine kurze bunte Plüschjacke.
„Gehst du jetzt Kaffee kaufen?“ Loki lehnt entspannt am Schuhregal im Flur.
„Ja, kommst du mit?“
Aufgeregt bellend springt er durch den Flur, kratzt winselnd mit seinen Pfoten an der Tür.

Kay schlüpft in ihre Plateausandaletten, nimmt Sonnenbrille und Regenschirm vom Regal.
„Hör auf, mach nicht so einen Radau, davon bekomme ich Kopfschmerzen.“
„Du hast ja heute eine Laune tsss.“ Künstlich genervt lehnt Loki wieder am Schuhregal.
„Ich muss einfach nur nachdenken.“
„Jaja, du musst IMMER nachdenken.“
„Warte.“ sie hält inne und dreht sich um.
„Nachdenken bedeutet auch immer Ärger.“ nuschelt er und zieht eine Zigarette aus dem
Päckchen.
Kays Hand berührt kurz die Schlafzimmertür, zischen, verbranntes Fleisch.
„Arsch***.“
Loki zuckt mit den Schultern und zündet sich die Zigarette an. „Hab es dir gesagt, er hat
schlechte Laune, Handschuhe?“
„Nein, bis wir unten sind ist es wieder verheilt.“
„Du hast aber noch nichts gegessen.“
Kay schüttelt die verbrannte Hand etwas aus, nimmt ihm das Feuerzeug ab und zündet sich
eine Zigarette an.
„Passt.“ es verschwindet mit dem Zigarettenpäckchen in ihrem Ausschnitt.
Die Wohnungstür schließt geräuschlos hinter ihnen. Der Gang riecht nach Urin und
erbrochenem, Müllsäcke stapeln sich in allen Ecken. Kay drückt mit der Schirmspitze auf den
Aufzugknopf.
„Weiß nicht, vor ein paar Tagen war er mal kaputt.“ Loki hält sein Ohr an das Metall.
„Ich muss laufen.“ Sie hebt ihre verbrannte Hand hoch.
„Das dauert ewig, warum hast du nichts gegessen.“
„Halt die Klappe Loki.“
„Gut, dann erzähl mir was los ist.“
„Wir gehen zu Smith.“
„Dachte wir wollten Kaffee kaufen.“
„Ja das auch, aber ich muss Smith was fragen.“
„Ok. Was und warum?“
Kay schnipst die Zigarette weg.
„Viviane, ich hab was übersehen.“
„Viviane?“ Loki bleibt auf der Treppe stehen.
„Viviane?“ wiederholt er. „Diese alte Geschichte? Du weißt schon, dass die letzte Person die
sie lebend gesehen hat, oben bei uns in der Wohnung sitzt und schmollt?“
„Ihr Kopf war leer, ich hab es schon tausendmal überprüft, deshalb muss ich ja zu Smith.“
„Und er soll das wissen?“
„Vielleicht.“ Kay spannt den Regenschirm auf, betritt die Straße. Es riecht nach nassem
Asphalt, dazwischen hängt süßlich der faule Moder des Viertels.
„Ich werde es noch herausfinden, hast du Geld?“ sie zieht die Tür der nächsten Telefonzelle
auf.
Der Apparat schrillt. Joah senkt stirnrunzelnd sein Newspaper. Seven blickt schuldbewusst
auf.

„Du weißt wieder wer ...?“ automatisch greift er Richtung Telefon.
Sie nickt mit gesenktem Kopf.
„Wir müssen darüber sprechen.“ flüstert er, bevor er den Hörer von der Gabel nimmt.
Seine Stirn verspannt sich deutlich, er hat noch nicht aufgelegt, schon klingelt es an der Tür.
Seven steht vom Tisch auf.
„Ja lass sie rein.“ Tief ein- und ausatmend gießt er sich Kaffee nach. Schon flitzt ein graues
Fellbündel ins Wohnzimmer. Joah springt auf, verschüttet dabei den Inhalt der Tasse. „Du, ...“ Er
hält inne, nimmt ein Tuch und trocknet seine Hand.
Kay schnippt ihre Sandalen in die Ecke. Seven verharrt reglos in der Tür zum Wohnzimmer.
„Sag deinem Hund, er soll sich zurückverwandeln, ich möchte nicht, dass er in dieser Gestalt
herumläuft, wenn meine Tochter da ist.“
„Ach deine ‚Tochter‘ ist auch da.“ dabei grinst sie Seven schief an, greift nach Joahs
Kaffeetasse. „Loki!“ sie schnipst mit den Fingern in seine Richtung und nippt am Kaffee. „Smith
er ist kalt.“
„Er ist kalt, Smith.“ Wiederholt Loki und drückt Joah an den Schultern zurück in den Stuhl.
„Was wollt ihr beiden?“ zu Seven gewandt „wolltest du nicht noch etwas draußen erledigen?“
„Du schickst sie raus?“ empört sich Loki gekünstelt. „Es regnet!“
„Es regnet immer, also was wollt ihr?“
„Aber draußen? Smith, draußen ist es gefährlich, die ganzen Halsabschneider, das Gesindel,
warte.“ Gespielt nachdenklich fasst er sich ans Kinn. „Smith willst du damit etwa sagen ...“
Seven hat genervt das Wohnzimmer verlassen, greift sich im Flur Kopfhörer, ihr Skateboard
und Rucksack, die Tür schwungvoll geöffnet, um sie ordentlich zuzuknallen, doch Lokis Stiefel
schiebt sich dazwischen. „Ach Seven Schätzen, bring doch noch bitte Kaffee mit, ja?“ Die Tür
fällt hinter ihr ins Schloss.
„Ja, natürlich“ genervt tritt sie gegen einen Eimer im Flur, eine Lache undefinierbarer
stinkender Flüssigkeit breitet sich vor ihr aus. „Ahhh! Joah ich hasse dich! Und euch“ den
Aufzugknopf gedrückt rennt sie die Treppe hinunter, drückt dort den Knopf. „Hasse ich.“ das
nächste Stockwerk. „Noch mehr.“ Den Finger auf der Taste öffnet sich schon die Aufzugtür.
„Ach, verdammt.“ Sie steigt ein, starrt die mit Aufklebern und vermissten Zetteln beklebte Wand
an. Einzelne Scherben halten notdürftig mit Klebeband und zerstückeln ihr Spiegelbild zu einer
abstrakten Silhouette. Seven drückt den Knopf einer Zwischenebene mit Einkaufsmöglichkeiten.
Unauffällig schlüpft sie aus dem Gebäude, hinaus auf die Straße, in den dauernden
Nieselregen, das triste Grau dieser Ebene, den nass glänzende Asphalt.
Nein, Joah hasst sie nicht, aber es ist unfair wie er sie behandelt. Sie zieht die Kapuze tiefer
ins Gesicht. Das Skateboard quer im Rucksack eingeklemmt. Es sind zu viele Leute unterwegs,
sie würde nur auffallen damit. Aus den Kopfhörern um ihren Hals dudelt leise Musik. Eine alte
Kassette von Joah. Sie mag diese Musik, sie beruhigt sie. Obwohl er ihr nicht sagen wollte,
woher er sie hat. Immer diese Geheimnisse, immer muss sie weggehen, immer wird sie wie ein
Kind behandelt, aber Kaffee kaufen kann sie. Joah würde sie nie alleine rausschicken, da hatte
Loki recht. Warum hatte er es jetzt getan?
„Au“ sie zieht ihre rechte Hand aus der Jackentasche. Das Pflaster an ihrem Finger hat sich
rot gefärbt. „Komisch“. Der Schnitt ist schon ein paar Tage alt, das Messer ist ihr ausgerutscht,

das ist zumindest die Version, die sie ihrem Ziehvater gesagt hatte. Er hat Angst vor diesen
kleinen Dingen, diesen kleinen magischen Dingen, diesem Wissen, wer am Telefon ist, das
Sehen von Sachen, die nicht dort waren. All das machte Joah Angst, sie wusst es. Deshalb
sprach er nicht darüber. Doch sie mussten darüber sprechen, denn ihr machte es genauso
Angst.
Ein Geräusch? Hatte sie in Gedanken etwas mit dem Schuh weggekickt? Sie blickt auf, die
Menschenmassen waren verschwunden. Die Gasse ihr völlig unbekannt.
„Scheiße“ ihr wird mulmig, ein seltsames hilfloses Gefühl der Angst überkommt sie. Ihr Herz
klopft hörbar, ihre Hände schwitzen ...
„Hast du dich verlaufen?“

Links zu den Videos:

Twitch: https://www.twitch.tv/videos/2473338184
YouTube: https://youtu.be/kbw9OgfGASw


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